27. März 2020

Corona-Krise: Umdenken und Neuorientierung in einer schwierigen Zeit

Die CoronaKrise ist für uns alle persönlich wie beruflich eine schwierige Zeit. Wir erleben einschneidende, aber notwendige Einschränkungen mit drastischen Folgen für unsere Gesellschaft und Wirtschaft. Als Betriebliche Sozialberatung begleiten wir Vorgesetzte und Mitarbeitende durch schwierige Lebenssituationen. Die wichtigsten Tipps für Ihre Mitarbeitenden haben wir auf unseren Merkblättern zu den Themen Stress während der Corona-Krise und Homeoffice mit Kindern während der Corona-Krise zusammengestellt. Zudem haben wir uns über folgende Themen in der momentanen Lage Gedanken gemacht:

1. Wie gehen wir mit der neuen Veränderung um?
2. Ungewissheit löst Stress aus
3. Agiles Arbeiten und Homeoffice
4. Auswirkung der Isolation auf das Miteinander

1. Wie gehen wir mit der neuen Veränderung um?

Die Corona-Krise könnte unser Leben und das Miteinander nachhaltig verändern. Aber wie gehen Sie – sei es als Vorgesetzte oder Mitarbeitende – mit den aktuellen Veränderungen und den damit verbundenen, erheblichen Einschnitten in Ihre persönliche Freiheit um? Die meisten Menschen fühlen sich zufriedener und motivierter, wenn sie selber auf Veränderungen Einfluss nehmen können, die ihre persönliche Situation beeinträchtigen. Nun sind wir aber plötzlich alle gezwungen, diesen doch sehr rasch eintretenden Wandel ohne eigene Einflussnahme anzunehmen. Das fällt vielen von uns nicht leicht. Folgende 3 Tipps aus unserem letzten Artikel zum Thema «Umgang mit Veränderungen» haben wir für Sie nochmals zusammengestellt.

Selbst Einfluss nehmen wo möglich: Unterscheiden Sie, welche Aspekte Sie beeinflussen können und welche nicht. Setzen Sie Ihre Energie dort ein, wo ein Handlungsspielraum besteht und sei er noch so klein. Vermeiden Sie die (typisch menschliche) Falle, zu viel Energie ins Klagen über das Unveränderbare zu stecken. Das lähmt.

Veränderung fängt bei jedem selber an: Denken Sie daran, dass es sehr viel schwieriger ist, andere zu verändern. Setzen Sie bei sich selbst an. Veränderungen bieten oft auch die Chance, neue Perspektiven einzunehmen und sich weiterzuentwickeln.

Fokussierung auf das Positive: Versuchen Sie, Unveränderliches anders zu bewerten, indem Sie den Fokus gezielt auch auf mögliche positive Aspekte richten und das Beste daraus machen.

2. Ungewissheit löst Stress aus

Die Enge der eigenen vier Wände, die Flut beunruhigender Nachrichten, die Sorge um Angehörige und die Ungewissheit in Bezug auf die weitere Entwicklung, können ein Gefühl von Ohnmacht oder Stress auslösen. In Zeiten der Pandemie ist es wichtig, auf die eigene physische und mentale Gesundheit zu achten. Dazu ist es wiederum von Vorteil, die eigenen Stressanzeichen zu kennen und zu wissen, wie diese abbauen können und wo Sie Hilfe finden. Unser Merkblatt Stress während der Corona-Krise enthält viele nützliche Tipps wie Sie dieser Belastung begegnen können. Weitere Informationen liefert zudem unser Blogartikel: Stress alles psychisch – wirklich?

3. Agiles Arbeiten und Homeoffice

Das Coronavirus zwingt viele Unternehmen, sich in kürzester Zeit neu zu organisieren und ihre Geschäftsmodelle anzupassen. Dadurch verändert sich die Art und Weise, wann, wie und wo wir arbeiten. Nicht wenige Arbeitgeber nutzen digitale Möglichkeiten, um wenigstens einen Teil des Betriebs am Leben zu halten. Die Kommunikation geschieht aufgrund des «Social Distancing» über online-Kanäle. Die Arbeit von zu Hause aus wird so für viele zur Normalität und agiles arbeiten zur Realität. Doch viele sehen sich im Homeoffice unvermittelt mit verschiedenen Aufgaben konfrontiert; die Arbeit soll innert nützlicher Frist erledigt, Angehörige versorgt und Kinder zu Hause betreut sowie unterrichtet werden.

Wie können Arbeitnehmende mit der Mehrfachbelastung zurechtkommen und sich organisieren? Was muss die Arbeitgeberin/der Arbeitgeber beachten?

Was kann ich als Arbeitnehmerin/Arbeitnehmer tun?

Externe Kinderbetreuung: Auch wenn die Grosseltern als Betreuungspersonen jetzt nicht mehr in Frage kommen, gibt es möglicherweise Nachbarn oder Bekannte aus dem näheren Umfeld, die Sie für kurze Zeit einspannen können. Wichtig ist, dass diese externe Kinderbetreuung mit immer denselben Personen stattfindet, um soziale Kontakte und somit die Ansteckungsgefahr des Coronavirus einzugrenzen.

Flexible Arbeitszeiten: Bitten Sie Ihren Arbeitgeber um Flexibilität bezüglich Ihrer Arbeitszeiten. Vielleicht ist es möglich, die Arbeit im Homeoffice über den Tag zu verteilen. Eventuell können Sie Ihre Arbeitszeit auf die ganze Woche, von Montag bis Sonntag, aufteilen. So minimieren Sie die Arbeitszeit pro Tag und haben mehr Zeit für die Kinder- oder Angehörigenbetreuung, Hausarbeit und Einkauf. Melden Sie sich, umgehend bei der Arbeitgeberin/dem Arbeitgeber oder der/dem Vorgesetzten, wenn Sie Sorgen oder Probleme haben.

Unterstützung durch die Arbeitgeberin/den Arbeitgeber: Klären Sie mit Ihrem Arbeitgeber, ob und wie sie/er Sie zusätzlich zu den drei offiziellen Kinderbetreuungstagen (Art. 36 Abs. 3 ArG) unterstützen kann. Vielleicht ist es möglich, Sie stundenweise vom Homeoffice freizustellen? Oder besteht die Chance auf eine finanzielle Unterstützung für eine externe Kinderbetreuung bei einer Tagesmutter? Suchen Sie in jedem Fall den Dialog mit Ihrem Vorgesetzten, um gemeinsam eine konstruktive Lösung zu finden.

Weitere Tipps für das Homeoffice mit Kindern entnehmen Sie unserem Merkblatt Homeoffice mit Kindern während der Corona-Krise.

Was kann ich als Arbeitgeber/Arbeitgeberin tun?

Vertrauen ist besser als Kontrolle: Vertrauen Sie Ihren Mitarbeitenden anstatt sie zu kontrollieren. Was jetzt zählt, ist die Leistung und nicht die Präsenz. Ihre Mitarbeitenden können möglicherweise nicht oder nicht in vollem Umfang Homeoffice leisten, wenn sie gleichzeitig Kinder betreuen müssen. Haben Sie Verständnis. Vielleicht kann jemand anderes im Team aushelfen, wenn die Kollegin oder der Kollege kleine Kinder hat, zur Risikogruppe gehört oder aus einem anderen Grund nicht im gewohnten Pensum arbeiten kann. Verteilen Sie die Arbeit so gut wie möglich. Sprechen Sie regelmässig miteinander. Gehen Sie aufeinander zu. Bieten Sie sich gegenseitig Unterstützung an.

Regeln für die Arbeit von zu Hause aus: Sind die bestehenden Arbeitsverträge und Reglemente für die Arbeit im Homeoffice ausreichend? Meist braucht es ein separates Reglement oder eine schriftliche Vereinbarung, welche die Bedingungen für die Arbeit von zu Hause aus regeln. Mögliche Themen sind diesbezüglich Telefon und Internetspesen, Büromaterial, Haftung, Arbeitszeiten oder Störungen.

Abgrenzung: Die Angestellten sollen für sich festlegen, wann die Arbeit beginnt, wann sie aufhört und wann der beste Zeitpunkt ist, um eine Pause zu machen. Es kann helfen, den Zeitplan so zu gestalten, wie wenn man im Büro arbeiten würde. Geregelte Arbeitspausen sind wichtig – sowohl im Büro als auch im Homeoffice. Weitere Informationen zum Thema Homeoffice enthält die Broschüre des SECO.

4. Auswirkung der Isolation auf das Miteinander

Gesellschaftliches Zusammenleben beruht wesentlich auf Nähe. Doch in Zeiten von Corona und «Social Distancing» heisst es, Abstand zu nehmen und sich in die eigenen vier Wände zurückzuziehen. Manche Menschen fürchten die Einsamkeit, welche die räumliche Distanzierung mit sich bringt. Andere sehen ihre Partnerschaft verstärkt auf die Probe gestellt. Was, wenn man über Wochen hinweg zum Partner Abstand halten muss? Was, wenn man zu zweit – teilweise mit Kindern – in Isolation zu Hause bleiben muss? In China hat das Coronavirus zu einem drastischen Anstieg der häuslichen Gewalt geführt. In unserem nächsten Blogartikel werden wir das Thema Paar Konflikte eingehender behandeln.

Unsere Beraterinnen und Berater stehen Ihnen bei Fragen und Unsicherheiten im Umgang mit der Situation per Skype oder Telefon auch in Zeiten des Covid-19 zur Verfügung.


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