30. November 2020

Die Corona-Krise, ein Prüfstein für die belastete Psyche

Viele Menschen sind wegen der Corona-Krise verunsichert und Unternehmen stehen vor grossen Herausforderungen. Eine Studie im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit zeigt: Die Mehrheit der Bevölkerung bewältigt die Pandemie gut, jedoch verstärkt Corona vorhandene psychische Beschwerden. Gemäss der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen ist die Nachfrage nach therapeutischer Hilfe stark gestiegen.

Beitrag SRF Tagesschau vom 2. November 2020

So haben sich während der Pandemie vor allem niederschwellige Beratungs- und Informationsangebote im Bereich der psychischen Gesundheit bewährt. Proitera ist eine externe Anlaufstelle für Unternehmen und deren Mitarbeitende – auch bei gesundheitlichen Schwierigkeiten. Folgendes Fallbeispiel aus unserem Beratungsalltag zeigt, welchen Einfluss die Corona Pandemie auf Mitarbeitende mit psychischer Vorbelastung hat und welche Unterstützung Proitera dabei leisten kann.

Wenn Ängste die Sachlichkeit verdrängen

Herr M. ist an Corona erkrankt und muss sich per sofort zu Hause isolieren. Vor dem positiven Corona-Test ging er wie gewohnt seiner Arbeit nach. Weil seine Vorgesetzte, Frau S., wegen einer Nierenerkrankung zur Risikogruppe gehört, hat eine Ansteckung mit dem Coronavirus möglicherweise schwerwiegende gesundheitliche Folgen für sie. Als Frau S. vom positiven Corona-Test ihres Mitarbeiters erfährt, kurz nachdem dieser auf der Arbeit war, verliert sie die Beherrschung und reagiert sehr emotional. Sie beschuldigt ihn, durch seine Anwesenheit bei der Arbeit vorsätzlich Arbeitskolleginnen und -kollegen gefährdet zu haben. Sie droht, Herrn M. spezielle Regeln für seine Rückkehr an den Arbeitsplatz aufzuerlegen.

Herr M. ist durch eine psychische Vorerkrankung bereits belastet. Die Anschuldigungen seiner Vorgesetzten machen ihm schwer zu schaffen. Er weiss nicht, wie er unter diesen Umständen wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren soll. Er befürchtet seine Stelle zu verlieren und sucht Hilfe bei Proitera.

Gemeinsame Aussprache

Proitera nimmt in diesem Fall eine vermittelnde Funktion ein. Aufgabe der Beraterin ist es, den Ängsten von Herrn M. mit Sachlichkeit zu begegnen. Im Gespräch erörtert sie mit Herrn M. die firmeninternen Regelungen betreffend Corona, und seine Rechte gemäss Arbeitsvertrag. Mit dem Einverständnis von Herrn M. klärt die Beraterin zudem mit seiner Ärztin den Verlauf der Corona-Erkrankung ab. So lässt sich einschätzen, welchen Einfluss diese auf seine Arbeitssituation hat. Die Beraterin empfiehlt Herrn M. zudem, das Gespräch mit der Ärztin zu suchen, damit er mit einer Fachperson über seinen emotionalen Zustand und seine mentale Gesundheit sprechen kann. In einem weiteren Schritt kommt es zu einer gemeinsamen Videokonferenz mit der Beraterin von Proitera, Herrn M. und der Vorgesetzten, Frau S.

Begegnung auf Augenhöhe

Frau S. hat sich bereits vor der Videokonferenz bei Herrn M. entschuldigt. Sie realisierte rasch, dass sie mit den Anschuldigungen gegenüber ihrem Mitarbeiter überreagierte und sich von ihren Ängsten leiten liess. Herr M. erklärt im Gespräch, dass er nicht recht wusste, wie er die Corona-Weisungen seines Arbeitgebers richtig umsetzen sollte und fühlte sich durch die fehlende Unterstützung der Vorgesetzen im Stich gelassen.

Während der Aussprache stellt die Beraterin von Proitera die Formulierung der Ängste beider Personen in den Mittelpunkt. Sehr wichtig dabei ist die Wahrung der persönlichen Integrität beider Parteien. Es gibt keine/-n Gewinner/-in und keinen/keine Verlierer/-in. Ziel ist es, das gegenseitige Vertrauen und die Wertschätzung füreinander wiederaufzubauen. Proitera stellt dabei in der Funktion als allparteiliche Stelle beiden Seiten einen geschützten Rahmen zur Verfügung. In diesem Setting können beide auf Augenhöhe miteinander kommunizieren. Im Gespräch zu dritt wird vereinbart, dass sich Herr M. zunächst zu Hause von seiner Corona Erkrankung erholt. Ab Mitte Dezember wird er seine Arbeit in einem reduzierten Pensum wieder aufnehmen.

Als Betriebliche Sozialberatung begleiten wir Vorgesetzte und Mitarbeitende durch schwierige Lebenssituationen, wie der Corona-Krise. Die wichtigsten Tipps für Sie und Ihre Mitarbeitenden haben wir auf unserem Blog-Artikel Corona-Krise: Umdenken und Neuorientierung in einer schwierigen Zeit zusammengestellt.

Unser Merkblatt Stress während der Corona-Krise enthält ebenfalls wertvolle Tipps zum Umgang mit der Pandemie.

Quelle: www.wie-gehts-dir.ch

Unsere Tipps für Ihre psychische Gesundheit

Selbst Einfluss nehmen wo möglich: Unterscheiden Sie, welche Aspekte Sie beeinflussen können und welche nicht. Setzen Sie Ihre Energie dort ein, wo ein Handlungsspielraum besteht und sei er noch so klein. Vermeiden Sie die (typisch menschliche) Falle, zu viel Energie ins Klagen über das Unveränderbare zu stecken. Das lähmt.

Veränderung fängt bei jedem selbst an: Denken Sie daran, dass es sehr viel schwieriger ist, andere zu verändern. Setzen Sie bei sich selbst an. Veränderungen bieten oft auch die Chance, neue Perspektiven einzunehmen und sich weiterzuentwickeln.

Fokussierung auf das Positive: Versuchen Sie, Unveränderliches anders zu bewerten, indem Sie den Fokus gezielt auch auf mögliche positive Aspekte richten und das Beste daraus machen.


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