Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und gesundheitliche Probleme

Ausgangslage

Frau A. ist verheiratet und ist wie ihr Mann erwerbstätig. Das Paar hat zwei Kinder im Vorschulalter. Vor sechs Monaten war sie nach dem Mutterschaftsurlaub wieder an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Sie hatte jedoch die Doppelbelastung unterschätzt und fühlte sich bald von den unterschiedlichen Ansprüchen überfordert. Schuldgefühle gegenüber Arbeitgeberin, Kindern, Partner und dem Freundeskreis plagten sie zunehmend.

Auftrag an Proitera

Frau A. erwartete von uns Unterstützung, damit sie aus der Erschöpfung herausfinden und künftig allen Ansprüchen gerecht werden könnte.

Intervention Proitera

Im Erstgespräch beschrieb sie sich als ausgebrannt und energielos. Sie habe Schlafprobleme. Auf der Skala von 0–100% betrage ihre Energie nur noch 25%. Eine Krankschreibung wegen Erschöpfung komme nicht infrage und eine Pensenreduktion sei aus finanziellen Gründen nicht möglich. Eine ärztliche Konsultation erachteten wir zu Beginn als notwendig, um die Arbeitsfähigkeit zu beurteilen und die Leistungs- resp. Konzentrationsfähigkeit am Arbeitsplatz sicherzustellen. Dazu willigte Frau A. ein, denn sie besagte, sich infolge Stress nicht ausgewogen ernährt zu haben. Nach den medizinischen Aspekten folgte die Auseinandersetzung über die unterschiedlichen Herausforderungen und Verpflichtungen. Frau A. meinte: 'Ich will immer zu viel und überlade den Karren!' Sie merkte dabei, dass bereits diese Einsicht entlastend wirkte. Die angenehme Gesprächsatmosphäre bei uns täte ihr gut und erleichtere das offene und ehrliche Gespräch. Sie stellte fest, dass sie solche Gespräche mit dem Mann vermisste. Gerne würde sie ihm sagen, dass sie sich überlastet fühlte und die Arbeit reduzieren möchte. Ihr wurde bewusst, dass sie sich als Versagerin fühlte. Das Ja zum zweiten Kind war nämlich an das Versprechen geknüpft, dass sie zu 80% erwerbstätig bleiben würde. Durch 'Focusing', eine Intervention nach Gendlin, konnte sie ihre Beklemmung lokalisieren und Mut schöpfen, zu ihrer Selbstüberschätzung zu stehen. Ihre Mutter um Unterstützung mit der Kinderbetreuung anzufragen und das Gespräch mit ihrem Mann und dem Vorgesetzten zu suchen, erschien ihr plötzlich machbar und klug. Eine Budgetberatung im Folgegespräch half ihr, die finanzielle Situation besser einzuschätzen und Existenzängste abzubauen. Im Abschlussgespräch wurden die ärztliche Beurteilung und die mit dem Ehemann erfolgten Gespräche besprochen und Bilanz gezogen. Diese fiel sehr positiv aus.

Ergebnis

Die Gespräche entlasteten und halfen Frau A., ihre Situation und ihr Verhalten objektiver zu reflektieren, meinte sie. Die Überlastung benennen und dazu stehen zu können, empfand sie als 'halbe Miete'. Das Gespräch mit dem Vorgesetzten fiel entgegen ihrer Befürchtung verständnisvoll und wohlwollend aus. 'Ich habe Glück', sagte sie strahlend. 'Ich werde voraussichtlich eine 40%-Stelle erhalten! Und falls das nicht klappen sollte, weiss ich, dass ich sogar eine Weile zu Hause bleiben kann.' Per Mail teilte sie ihrer Beraterin später mit: 'Mit dem internen Stellenwechsel klappt es!' Frau A. hat es geschafft, ohne Krankenabsenzen alle Anforderungen unter 'einen Hut' zu bringen. Die Firma hat eine erfahrene, geschätzte Mitarbeiterin halten können.

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Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und Suchtprobleme

Ausgangslage

Herr C. meldete sich, weil ihm gekündigt wurde. Als Grund gab er Probleme am Arbeitsplatz an. 'Er könne das nicht verstehen und sei damit nicht einverstanden', meinte er empört. Mal zu spät kommen, das könne jedermann passieren, bei diesem Stress sowieso. Er sei doch schon 8 Jahre im Unternehmen und verstehe sich mit allen gut. Es komme nicht wieder vor, doch mit seinem Chef würde er nicht mehr reden. Der habe keine Ahnung.

Auftrag von Herrn C. an Proitera

'Ich brauche meine Arbeitsstelle! Was soll ich nun machen? Wie muss ich vorgehen?'

Intervention

Herr C. wirkte am Anfang des Erstgesprächs widerspenstig, rechthaberisch und aufbrausend. Die Beraterin fand die Geschichte merkwürdig. Sie kennt das Unternehmen und die Kultur gut. Sie hörte aufmerksam zu und fragte nach Details. Eindrücklich, wie seine Wut langsam schwand und dann nur noch Verzweiflung und Ohnmacht sichtbar waren. 'Moment mal', meinte sie schliesslich. 'Sie sind einmal zu spät gekommen und haben anschliessend die Kündigung erhalten. Sind Sie ganz sicher? Das wäre ja wirklich unglaublich!' Nein, es gab in der Vergangenheit Gespräche wegen Fehlverhalten, eine Verwarnung und schliesslich ein Ultimatum. Er fügte bei: 'Ich sage Ihnen nun im Vertrauen, dass ich gelegentlich Kokain konsumiere. Da passieren solche Dinge wie zu spät kommen eben.' Seine Glücksspiele würden beim Finanzieren des Konsums helfen. Auf die Frage, ob er stets gewinne, meinte er kleinlaut: 'Manchmal. Im Moment läuft es nicht gut und ich bin verschuldet. Doch das schaffe ich schon noch. Am nächsten Mittwoch ist mein Glückstag.' Die Beraterin entschied sich für die Methode des Rollentausches nach Moreno und bat den Mitarbeiter, sich auf den fiktiven Stuhl des Vorgesetzten zu setzen. Sie selbst nahm die Rolle des Mitarbeiters ein. Interessanterweise wurde er in der Rolle des Chefs richtig eifrig. 'Dass er so viel Geduld mit mir hatte, verstehe ich nicht', murmelte er anschliessend. 'Ich hätte ihm schon lange gekündigt!' Anschliessend bilanzierte die Beraterin und fragte nach seiner Bereitschaft, einen stationären Drogenentzug mit Entwöhnung und Bearbeitung seines Suchtverhaltens zu machen. Später würde dann die Schuldensanierung mit Unterstützung von Proitera angegangen. Die Folgegespräche galten der Vorbereitung von Verhandlungsgrundlagen. Der Vorgesetzte willigte rasch ins Gespräch zu dritt ein. Und was die Beraterin vermutete, wurde offensichtlich. Er wollte den Mitarbeiter nicht verlieren und zeigte deshalb so lange Geduld. Einen Rückfall würde er nicht mehr tolerieren, meinte er. Doch nach der Unterzeichnung eines Verhaltenskodexes und wenn die Suchtvereinbarung mit Proitera ausgehandelt sei, werde er den Rückzug der Kündigung unter Vorbehalt veranlassen.

Ergebnis

Proitera führt weiterhin regelmässige Koordinationsgespräche zwischen Suchttherapeuten/-innen, dem Hausarzt und dem Arbeitgeber. Die Schuldensanierung ist auf gutem Wege, erfordert aber noch viel Disziplin und Geduld. Der Prozess ist im Gange und die ersten Meilensteine sind erreicht.

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Konflikt am Arbeitsplatz

Ausgangslage

Herr E. wurde ursprünglich schriftlich, per Auftrag, zu Proitera geschickt: 'Verdacht auf Alkoholproblem'. Die Abklärung dauerte mehrere Monate. Das Ergebnis war erfreulich, Herr E. konnte mit Atemlufttests und Blutkontrollen beweisen, dass kein Suchtproblem vorlag. Er wurde, begleitet durch die Beraterin, beim Vorgesetzten und bei den Arbeitskollegen rehabilitiert. Die Aktennotiz im Personaldossier konnte gelöscht werden. Einige Zeit später wandte sich Herr E. freiwillig an Proitera. Er war sehr wütend auf seinen Vorgesetzten. Sein Arbeitskollege, Herr Z., habe sich im Materiallager entgegen betriebsinterner Bestimmung eigenmächtig bedient, anstatt das für den Eigengebrauch benötigte Material zu bestellen. Herr E. sah dies und nahm dem Arbeitskollegen das Material energisch aus der Hand. Dieser meldete den Vorfall unverzüglich seinem Vorgesetzten. Herr E. wurde zum Vorgesetzten zitiert und das Drama nahm seinen Lauf. Im Gespräch fragte ihn sein Vorgesetzter, ob Alkohol im Spiel gewesen sei. 'Wie bitte?' Herr E. war konsterniert. Wie konnte sein Vorgesetzter so etwas fragen? Damals, als dies ein Thema war, war er noch nicht im Unternehmen tätig und der Akteneintrag war doch gelöscht worden. Er schöpfte Verdacht und eine riesige Wut kam hoch. Herr E. fühlte sich verraten. 'Ist das eine Verschwörung? Das ist Mobbing!' Der Arbeitskollege erzähle mittlerweile, er sei krankgeschrieben weil er geschlagen wurde und nun die Hand schmerze, sagte er im Erstgespräch.

Auftrag an Proitera

Herr E. war ratlos. Er wollte wieder in Ruhe arbeiten. Doch alles vergessen ging nicht. Mit diesem Hilferuf kam er zu 'seiner' Beraterin.

Intervention durch Proitera

Nach dem Einverständnis von Herrn E. nahm die Beraterin Rücksprache mit dem zuständigen HR-Verantwortlichen. Dieser wusste bereits vom Disput und auch davon, dass der Arbeitskollege Z. dabei verletzt worden und nun arbeitsunfähig sei. 'Wenn das stimmt, muss ich Herrn E. schriftlich verwarnen', fügte er an. Der HR-Verantwortliche bestätigte auch, dass die Aktennotiz 'Alkoholverdacht' im Personaldossier festgeschrieben sei. Die Beraterin sendete ihm das damals erstellte Protokoll. Nun war der HR-Verantwortliche irritiert. 'Das darf nicht passieren', meinte er aufgebracht und erinnerte sich plötzlich, dass damals, wegen Überlastung, eine temporäre Arbeitskraft im HR tätig war. Hatte sie dies vergessen? Am Telefon wurde vereinbart, dass der HR-Verantwortliche ein Gespräch am runden Tisch veranlassen sollte, um dieses Versäumnis offenzulegen. Klar war, dass der Akteneintrag sofort gelöscht würde und man dies Herrn E. belegen wollte. Proitera motivierte den immer noch aufgebrachten Herrn E., am runden Tisch teilzunehmen. Mit der Erlaubnis des Vorgesetzten, dass er zwei Zeugen, die seine Unschuld bezeugen konnten, mitbringen dürfe, willigte er ein. Die Beraterin war erleichtert. Sie kannte Herrn E. seit längerer Zeit und hoffte, dass er sich von der haltlosen Verschwörungstheorie abbringen lassen würde. Die künftige Zusammenarbeit mit Herrn Z. wäre dadurch vereinfacht, war ihre Hypothese. Denn sie wusste, dass dieses Gespräch erst ein Anfang war.

Ergebnis

Die Aktennotiz wurde nachweislich aus dem Personaldossier entfernt. Herr E. nahm am Klärungsgespräch teil und entschuldigte sich sogar für seine rabiate Reaktion. Der Vorwurf, er hätte dem Kollegen die Ware aus der Hand geschlagen, war durch die Zeugenaussagen bald vom Tisch. Die Beraterin begleitete Herrn E. weiterhin und schloss nach der Stabilisierung am Arbeitsplatz das Dossier erleichtert ab.

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Probleme am Arbeitsplatz - Im Autrag eines HR-Verantwortlichen

Auftrag des HR-Verantwortlichen an Proitera

Standortbestimmung mit Herr S. betreffend negativen Aussagen über Arbeit und Arbeitgeberin. Besprechen ob die Bereitschaft zu einem kooperativen Verhalten noch besteht.

Ausgangslage und Intervention Proitera

Herr S. willigte nur widerwillig ins Erstgespräch ein. Nach anfänglichen Widerständen, beschrieb er seine Arbeitssituation als 'nicht optimal'. Er fühlt sich im Team nicht eingebunden und durch Veränderungen am Arbeitsort sei er weitgehend abgeschoben. Darüber sei er wütend. Das veranlasse ihn, auch ausserhalb des Arbeitsplatzes schlecht über die Arbeitgeberin zu sprechen. Er wolle keine Gespräche (u.a. mit Proitera), welche ihn stressen und nerven. Sein Ziel sei es, in Ruhe arbeiten zu können. Trotzdem erschien er auch zu den Folgeterminen. Zu Beginn besprachen wir, was 'nervt' und 'stresst': 'Es geht nicht, dass mein jüngerer Vorgesetzter mir Vorschriften macht'. 'Die in den höheren Chefetagen sieht man nicht mehr, heute regieren Fragebogen'. 'Diese ständige Überwachung. Sie wissen immer, wo ich bin mit dieser Badge-Kontrolle.' Dann fügte er bei: 'Ich bin altersbedingt dünnhäutiger geworden. Zudem habe ich oft Gelenkbeschwerden.' 'Soll ich mich frühpensionieren lassen?' Bei den Folgegesprächen war Herr S. deutlich gelöster, obwohl er immer noch der Meinung war, dass es diese Gespräche nicht brauche. Herr S. beschrieb seinen Arbeitsalltag und zählte seine Pendenzen auf. Er hatte sichtbar Mühe, sich an der Arbeit zu motivieren. Ein Frageblatt zur Motivation, sollte ihm dabei behilflich sein. 'Schon wieder eine Fragebogen' meinte er, nahm ihn aber mit und versprach ihn auszufüllen. Beim dritten Gespräch wurde eine Änderung sichtbar. Herr S. hatte in der Zwischenzeit über seine Motivation und seine persönlichen Ziele nachgedacht. Auf dem Fragebogen gab er an, dass ihm die 'Sicherheit am Arbeitsplatz' wichtig sei, er sich aber unsicher fühle. Angst vor Arbeitsplatzverlust wurde sichtbar. Er wollte gute Arbeit leisten, befand sich aber in einer Spirale negativer Gedanken. Das blockierte. Als sich Herr S. mit der Frage auseinander setzte, optional den Arbeitsplatz zu wechseln, merkte er plötzlich, dass sich das Einfügen in die neuen, modernisierten Strukturen besser anfühlte, als einen erneuten Wechsel mit allen Unsicherheiten und Unvorhersehbarem ins Auge zu fassen. Das Eis war plötzlich gebrochen.

Ergebnis

Die Gretchenfrage bewirkte viel. Herr S. ging wieder motiviert an die Arbeit und seine Zukunftsängste nahmen ab. Er sagte aus eigenem Antrieb, dass er seinen jungen Vorgesetzten nun besser verstehe. Jeweils nach den Gesprächen mit Herr S. nahm ich Rücksprache mit seinem Vorgesetzten, meinem Auftraggeber. Für ihn war der Wandel sichtbar und er war gerne bereit, Herr S. ab und zu nach den Zukunftsängsten zu fragen. Die Situation hatte sich entspannt.

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Probleme am Arbeitsplatz - Umgang mit neuem Vorgesetzten

Anfrage 

'Ich bin schon lange im Betrieb und hatte bis vor einem Jahr interessante Arbeit, einen wertschätzenden Vorgesetzten und ein gutes Team. Nach der Pensionierung unseres langjährigen Vorgesetzten kam ein junger Nachfolger und alles wurde anders. Die Stimmung im Team ist heute schlecht, der Umgang mit uns Frauen ist schwierig. Ich habe keine Kompetenzen mehr und die zugewiesenen Arbeiten unterfordern mich. Ich spreche fünf Sprachen die ich früher gebrauchen konnte. Ich habe mittlerweile gesundheitliche Probleme und familiäre Sorgen. Mein Partner ist älter und an Krebs erkrankt. Durch diese Situation bin ich auch weniger belastbar und vielleicht empfindlicher als früher.'

Auftrag an Proitera

Frau C. möchte Unterstützung im Umgang mit dem neuen Vorgesetzten. Ein weiteres Thema ist ihre Belastbarkeit in Beruf und Partnerschaft und der Umgang mit ihren eigenen Kräften und ihrer Energie.

Intervention Proitera

Wir besprachen ihren Umgang mit dem Vorgesetzten und stellten fest, dass Frau C. eine eher passive Rolle einnahm und abwartete. Der neue Vorgesetzte sollte wie der bisherige sein! Die Erkenntnis, dass dies nicht möglich war, half Frau C., ihren Umgang mit dem neuen Vorgesetzten zu überdenken und die passiv abwartende Rolle zu verlassen. Im Gespräch über ihre gesundheitliche Situation schauten wir das Modell 'Lebensbalance' an. Frau C. erkannte, dass das Zusammenspiel von Erwerbstätigkeit, familiären Verpflichtungen und eigenen Bedürfnissen aus dem Lot geraten war. Zeit für persönliche Entspannung und Erholung gab es keine mehr. Frau C. fasste Vorsätze und verpflichtet sich zu kurzen aber regelmässigen 'Auszeiten' in dem Mass, wie sie garantiert umsetzbar waren. In den weiteren Gesprächen bilanzierten wir jeweils die besprochenen Veränderungen und definierten, was bis zum nächsten Gespräch erreicht werden konnte. Das motivierte, ermutigte und bestärkte Frau C.

Ergebnis 

Frau C. hatte aktiv das Gespräch mit ihrem neuen Vorgesetzten gesucht und dank seiner Offenheit konnten viele Punkte geklärt werden. Die verbesserte Kommunikation zwischen ihr und dem Vorgesetzten zeigte bald auch eine positive Auswirkung auf die andern Mitarbeitenden und auf die Stimmung im Team. Die Atmosphäre sei entspannter und es finde mehr Austausch statt, freute sich Frau C. Dass sie mit ihrer aktiven Rolle etwas zur Verbesserung beigetragen hatte, erfüllte sie mit leisem Stolz. Ihr gesundheitlicher Zustand hatte sich durch die entspannte Situation am Arbeitsplatz ebenfalls verbessert. Sie fühlte sich wieder belastbarer. Auch dank ihrer eingeplanten Zeit zum Ausspannen, konnte Sie mit mehr Zuversicht in die familiäre Zukunft blicken.

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Probleme am Arbeitsplatz - Konflikt Mitarbeiterin und Vorgesetzter

Auftrag an Proitera

Der Personalverantwortliche kontaktierte Proitera mit der Bitte, zwischen einem Vorgesetzten und dessen Mitarbeiterin zu vermitteln und ein allfälliges Konfliktgespräch zu moderieren. Die Situation sei eskaliert. Seit einem bestimmten Vorfall mit einem Kunden würden beide nicht mehr miteinander sprechen. Da er bisher vergeblich versucht hatte, die Situation aufzuklären, soll Proitera nun helfen.

Intervention Proitera

Schade, wurde solange gewartet bis Proitera beigezogen wurde. Die Fronten zwischen den Parteien waren zu Beginn sichtbar verhärtet. Zuerst führte die Beraterin ein Einzelgespräch mit den Konfliktparteien.

Gespräch mit dem Vorgesetzten

Die Mitarbeiterin, mit welcher der Konflikt besteht, war nach langer Krankheit an den Arbeitsplatz zurückgekehrt. Während ihrer Abwesenheit musste ihr Vorgesetzter sie vertreten. Das war ein zusätzlicher Arbeitsaufwand, der Kraft kostete und ermüdend war. Nun nahm die Angestellte die Arbeit wieder auf, doch ihre vermeintlich unausgeglichene Art blieb. Das missfiel ihm, denn sie war auch gegenüber Kund/-innen oft ungehalten. So auch eines Morgens gegenüber einem Kunden am Schalter. Der Vorgesetzte nahm diesen Vorfall als Anlass um mit der Mitarbeiterin zu reden. Dieses Gespräch war schwierig. Die Mitarbeitende habe ihn sogar verbal angegriffen und damit verletzt. Er konnte verstehen, dass der Kunde schwierig war, doch eine kundenfreundliche Haltung gelte es auch in solchen Situationen hoch zu halten. Im Übrigen fühle er sich persönlich überlastet. Alles sei ihm über den Kopf gewachsen. Dann auch noch ein solches Gespräch führen zu müssen, sei eine Zumutung.

Gespräch mit der Mitarbeiterin

Der Kunde am Schalter sei sehr laut und provozierend gewesen. Die Situation hatte sie überfordert und sie wusste sich nicht zu helfen. In solchen Fällen kam ihr früher jeweils der Vorgesetzte zu Hilfe, da er vom Büro aus die Kundengespräche mithören konnte. Doch diesmal sei er nicht gekommen. Die Frau fühlte sich im Stich gelassen. Seit diesem Vorfall hätten sie nicht mehr miteinander kommuniziert. Lange sei sie krank gewesen und der Wiedereinstieg hatte sich schwierig gestaltet. Zudem hätte sie immer zu viel Arbeit. Nun könne sie nicht einmal mehr auf die Unterstützung des Vorgesetzten zählen. Früher sei er doch hilfsbereit gewesen.

Gemeinsames Gespräch

Die Vorgespräche erlebten beide als entlastend. Endlich hatte eine unbefangene Person zugehört. Zu dritt die Situation nochmals anzuschauen brachte Klarheit. Es war ein schwieriger Tag damals, als dieses Kundengespräch das Fass zum Überlaufen brachte. Die Verantwortung dafür lag auf beiden Seiten. Die Mitarbeiterin bestätigte, dass sie gegenüber dem Kunden ungehalten reagiert hatte. Dies schloss sie leider im Gespräch mit dem Vorgesetzten aus. Der Vorgesetzte seinerseits bedauerte, dass er es unterlassen hatte, wegen des zu grossen Arbeitsdrucks, die Mitarbeiterin in der schwierigen Situation zu unterstützen. Anhand des 'Wertequadrates nach Schulz von Thun' konnte die Beraterin den Zusammenhang zwischen Verantwortungsbewusstsein und der unter Druck entstehenden Überlastung, Abgrenzung und Gereiztheit aufzeigen. Dadurch entstand ein gemeinsames Verständnis des entstandenen Problems. Beide fühlten sich in ihrer Arbeit überlastet und deshalb kam es zu einer Überreaktion. Das strukturelle Problem der Arbeitslast hatte sich auf der zwischenmenschlichen Ebene durch Streit manifestiert. Dass sich die Mitarbeiterin beim Vorgesetzten für ihr Aufbrausen sogar entschuldigte, freute diesen zusätzlich. Im zweiten Teil des Gesprächs wurden Wege zur Entlastung der Mitarbeiterin gesucht und erste Handlungsschritte eingeleitet. Die Arbeitslast des Vorgesetzten sollte anhand des Vorfalls später Thema bei seinem nächst höheren Vorgesetzten sein.

Ergebnis

Die Mediation ermöglichte nach nur einer gemeinsamen Sitzung, dass die Grundlage für die weitere Zusammenarbeit wieder hergestellt wurde. Proitera hat diese Ergebnisse in einem Bericht an den Personalverantwortlichen zusammengefasst.

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Beratung bei Trennung

Anfrage

'Ich befinde mich zurzeit in einer unsicheren Situation. Ich bin seit zwei Jahren getrennt und lebe im gemeinsam erbauten Haus. Wir haben vieles selber gemacht. Ich schaue alleine zu Haus und Garten. Mein Mann kommt selten und hilft wenig. Finanziell ist nichts geregelt. Das belastet mich sehr. Mittlerweile habe ich Magen-, Herz und Atemprobleme. Eigentlich möchte ich das Haus verkaufen. Mein Mann ist dagegen. Ich will mich scheiden lassen.'

Auftrag an Proitera

Frau A. möchte wissen, wie ihre rechtliche Situation ist. Sie möchte ihrem Mann selbstsicherer gegenüber treten und mit ihm über die Scheidung sprechen.

Intervention Proitera

In einem ersten Schritt haben wir das primäre Anliegen von Frau A. besprochen, nämlich ihre rechtliche Situation und das Vorgehen bei Scheidungsbegehren. Anschliessend nahm ich ihre Aussagen über ihre Gesundheit auf. Wir beleuchteten, was ihr auf dem Magen lag, ihr Herzklopfen bereitete und ihr den Atem raubte. Frau A. konnte auf konkrete Fragen, klare, Ziel führende Aussagen machen. Es wurde deutlich, dass im Zentrum ihre Ohnmacht gegenüber ihrem Mann und der ungeklärten Situation stand. Sie fühlte sich unsicher und ausgeliefert und fand gegenüber ihrem Mann keine Worte. Das machte sie zusätzlich wütend über sich selbst. Im Laufe der Beratungen merkte Frau A., dass Gefühle und Handlungen in direktem Zusammenhang stehen und dadurch die Kommunikation ins Stocken geraten war. Durch das Aufzeigen von Verhaltensmustern und Entflechtungsmöglichkeiten, gelang es, die Art der Kommunikation zu verändern. Anhand des 'Kollusionsprinzips nach Jürg Willi' konnte Frau A. auch verstehen, wie es soweit kommen konnte. Das Verstehen dieser Zusammenhänge half ihr, die aufgebauten Schuldgefühle loszulassen und ihr Selbstbewusstsein wieder aufzubauen. Damit war die Grundlage für eine konstruktive Klärung der weiteren Schritte geschaffen. 

Ergebnis

Schon nach dem ersten Gespräch begann Frau A. die Situation mit ihrem Mann aktiv neu anzugehen. Das brachte eine spürbare Entlastung. Ihre gesundheitlichen Beschwerden schwanden. Unmittelbar stellte sie fest, dass ihr die Arbeit wieder leichter von der Hand ging. Beim Abschlussgespräch erklärte sie mir, dass die Gespräche bei Proitera halfen, sich als Paar auch emotional zu trennen. Mehr noch, sie fanden sogar einen Weg sich fast freundschaftlich zu unterhalten. Nach einem bewusst eingeplanten Beratungsunterbruch teilte Frau A. erfreut mit, dass ihr Mann nun konkrete Arbeiten ums Haus übernommen habe. Optional fassten sie sogar ins Auge, dass der Mann nach seiner Pensionierung im Erdgeschoss in die separate Wohnung einziehen könnte. Gesundheitlich gehe es ihr wieder gut und sie verspüre keinen Druck mehr. Besonders stolz sei sie, dass sie sich nun besser abgrenzen könne.
Die Beratung habe nicht zur zuerst angestrebten Scheidung geführt, sondern zu einer angepassten Beziehungsform nach vielen gemeinsamen Ehejahren.

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Finanzielle Schwierigkeiten und Familiäre Fragen

Anfrage

Frau S. meldete sich bei Proitera, weil sie stark unter Druck stand. Ihre betagte Mutter wurde vom Spital ins Pflegeheim verlegt, konnte sich aber das benötigte Depot von Fr. 6'000.- nicht leisten. Die Wohngemeinde der Mutter lehnte die Übernahme der Depotzahlung ab. Frau S. fühlte sich verantwortlich. Auf Anraten einer Arbeitskollegin wollte sie vor dem Aufnehmen eines Konsumkredits Proitera konsultieren.

Intervention Proitera

Im Gespräch schilderte sie, dass sie sich durch die schwer betagte und hilfsbedürftige Mutter überfordert fühlte. Die Krankheit und der Übertritt in ein Pflegeheim belasteten sie sehr. Die Administration, die Kontakte zu Behörden und Pflegeheim und dann noch die zusätzlichen Schwierigkeiten der Depot-Finanzierung; das alles brachte sie an den Rand ihrer Kräfte. Doch das alles war eigentlich nicht so schlimm, wie der verspürte und unverrückbare 'Klumpen' in ihrem Bauch, welcher sie blockierte und ihr den Schlaf raubte. Diesem 'Klumpen im Bauch' wurde nun Beachtung geschenkt. Er war ein Indikator für ihre Blockade. Mittels 'Focusingmethode nach Gendlin' wurde sichtbar, dass ihre Schuldgefühle und Scham im Zentrum der Erschöpfung und Verzweiflung standen. Endlich konnte sie sagen, dass sie sich als Versagerin fühlte, als Tochter nicht in der Lage zu sein, finanziell für ihre leibliche Mutter aufzukommen. Dieses elende Gefühl zu benennen und dazu zu stehen, half ihr, sich und ihre Reaktionen besser zu versehen. Das entlastete Frau S. ungemein.
Frau S. lernte anschliessend, die Grenzen ihrer Verantwortung gegenüber ihrer Mutter und der eigenen Kräfte zu erkennen und als normale Reaktion auf eine aussergewöhnliche Situation zu akzeptieren. Fremde Hilfe anzunehmen erschien ihr in diesem Kontext plötzlich wichtig und richtig. Auf dieser Grundlage willigte sie ein, dass die Beraterin stellvertretend Kontakt mit der Gemeinde und dem Pflegeheim aufnahm, um eine gangbare finanzielle Lösung zu suchen. Die Verhandlungen gestalteten sich zäh aber zielführend. Gestärkt durch die Beratung bei Proitera konnte Frau S. einen finanziellen Beitrag an die Gemeinde leisten und der Durchbruch gelang.

Ergebnis

Die Depotzahlung wurde von der Gemeinde übernommen und die Mutter von Frau S. konnte im Pflegeheim bleiben. Dank ihrer Beteiligung fühlte sich Frau S. entlastet. Befreit konnte sie ihre Mutter besuchen und endlich wieder entspannte und klärende Gespräche mit ihr führen. Dass ihr geholfen wurde, eine Verschuldung zu verhindern, beflügelte sie sichtlich.

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Finanzielle Schwierigkeiten

Ausgangslage und Situationsbeschrieb

Frau E., 21 Jahre alt, wohnte alleine in einer kleinen Wohnung. Sie meldete sich bei Proitera wegen Verschuldung von zurzeit Fr. 2000.–. Nach Abbruch der Lehre wollte sie die neu begonnene Ausbildung erfolgreich abschliessen. Die Mutter lebte seit einigen Jahren in Asien; zum Vater, wohnhaft in der Schweiz, hatte sie ebenfalls wenig Kontakt. Ihre ältere Schwester war ihre einzige nahe Bezugsperson. Doch sie sei mit den kleinen Kindern stark belastet. Frau E. lebte von dem Lehrlingslohn und einer kleinen Rente, ausbezahlt durch die IV-Berechtigung des Vaters. Die Differenz zum Existenzminimum bezahlte die Sozialhilfe.

Auftrag an Proitera

Mit ihrem Einkommen war für sie die Verschuldung riesengross. 'Ich kann deswegen nicht mehr schlafen. Gibt es irgendeinen Ausweg?'

Interventionen – unser Beratungsprozess

  • Absprache mit der Sozialarbeiterin der Gemeinde, um den Prozess zu koordinieren. Der Sozialdienst ist künftig lediglich für die wirtschaftliche Unterstützung und speziell die Begleichung von Sonderausgaben wie Schulgeld, Materialkosten, Krankenkassenselbstbehalte etc. zuständig. Wir sind zuständig für die Hilfe wegen der Verschuldung und die psychosoziale Begleitung am Arbeitsplatz.
  • Die Folgeschritte bei Proitera waren die Erstellung des Budgets, gemeinsam wurde nach Einsparmöglichkeiten und neuen Strategien im Umgang mit vorhandenem Geld gesucht.
  • Ressourcen von Frau E. stärken, indem sie ein Gesuch schrieb. Sie beschrieb die Schuldenfalle, erwähnte ihre Anlaufstellen zur Klärung der Situation, benannte, welche Massnahmen sie ergriffen habe, um die Situation zu verändern, und erbat einen Teilerlass der Schulden. Dem Gesuch wurde ein Empfehlungsschreiben von uns beigelegt.
  • Das erste Erfolgserlebnis liess nicht lange auf sich warten! Einige Reduktionen wurden gewährt.
  • Die Eigenverantwortung von Frau E. musste gestärkt werden. Mit der Restschuld wurde eine klassische Schuldensanierung mit monatlichen Mindestzahlungen ermöglicht.
  • Das Fondsgesuch bei der Kirchgemeinde wird mit 4-mal Fr. 100.– gutgeheissen, gekoppelt an die Begleitung durch Proitera.
  • Wichtig war die Stabilisierung der Situation. In monatlichen Sitzungen wurden Budgetfragen besprochen und Alltagsfragen und -sorgen diskutiert.
  • Nach mehrmonatigem Warten wird Frau E. durch die gesprochenen Ergänzungsleistungen (EL) der Ausgleichkasse von der Sozialhilfe abgelöst und ist finanziell selbstständig.
  • Frau E. bedankt sich bei der Kirche, informiert, dass sie EL erhält, und gibt die verbleibenden Fr. 200.– für andere Bedürftige frei.


Ergebnis

Das Wissen um Proitera an der Seite, viele Erfolgserlebnisse und das Gefühl der erlangten Eigenständigkeit motivierten sehr und halfen Frau E., mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen. Die Schulden wurden getilgt und Frau E. hatte viel gelernt über den Umgang mit Geld. Mit kleinen Beträgen sparte sie für ihren Feriensprachaufenthalt in England. Gelegentlich gehe sie eine Pizza essen und sie war sogar mit Freundinnen im Kino, erzählte sie strahlend. Das Rauchen hätte sie nicht nur aus finanziellen Gründen aufgegeben. Sie brauche die Zigaretten nicht mehr. Frau E. weiss, dass sie in der Not erneut zu Proitera kommen kann. Und irgendwie – so schien es der Beraterin – war sie in den vergangenen Monaten stark geworden.

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Gesundheitliche, familiäre und persönliche Schwierigkeiten – psychosozialer Notfall

Ausgangslage und Situationsbeschrieb

Herr B. kam frühmorgens ganz kurzfristig zum Gespräch. Er schaffe es nicht mehr, er sei mit den Nerven am Ende. Der Mann wirkte sehr nervös, angespannt und traurig. Herr B. schilderte, er hätte seit Jahren familiäre Schwierigkeiten, konsumiere zwischendurch Cannabis und habe immer wieder depressive Verstimmungen. Oft wache er mitten in der Nacht in Panik auf, weil schreckliche Momente aus der Zeit in seinem Heimatland hochkommen. Als er letztes Mal dort im Urlaub war, artete ein Konflikt in Gewalt aus. Anschliessend sei er zum Psychiater gegangen. Dieser gab ihm Psychopharmaka ohne genaue Dosierung. Eine regelmässige Kontrolle war nach der Abreise nicht möglich gewesen. Herr B. hat seither oft Suizidgedanken. 'Der Abschiedsbrief ist bereits geschrieben', flüsterte er. Eigentlich wolle er mit niemandem darüber sprechen, doch da sich die Beraterin von Proitera vor einiger Zeit im Team vorgestellt und er Gutes über sie gehört habe, hätte er nun doch zum Telefonhörer gegriffen, fügte er bei.  Herr B. brach während des Gespräches in Tränen aus und war fassungslos.

Auftrag an Proitera

Irgendetwas tun, um ihm wieder Boden unter den Füssen zu geben. 'Helfen Sie mir', sagte er verzweifelt. 'Ich halte das nicht mehr aus!'

Krisenintervention

Für Proitera war dies eine Notfallsituation, die rasches Handeln erforderte. Gut, dass der Mann den Anker Proitera nutzen konnte. Es galt, Verständnis und Unterstützung zu bieten und Herrn B. zu überzeugen, dass die Familie ihn braucht und es Auswege aus dieser vermeintlichen Sackgasse gibt. Ja, die Kinder hatte der Mann, der glaubte, in einem 'schwarzen Loch' zu versinken, ganz vergessen. Die Stabilisierung des psychischen Zustandes galt als oberste Priorität. Eine akute Selbstgefährdung war nicht auszuschliessen. Auch die Aussage, dass er Medikamente für die Psyche ohne ärztliche Begleitung nehme, war ein Indiz dafür, rasch zu handeln und andere, medizinische Fachkräfte beizuziehen. Die Beraterin nahm das Telefon zur Hand und konnte den sofortigen Eintritt in eine psychiatrische Klinik erwirken. Die Beraterin kontaktierte nach Rücksprache mit dem Angestellten den Vorgesetzten und anschliessend die Ehefrau. Diese erschrak und war gleichzeitig entlastet, zu hören, dass ihr Mann sich endlich Hilfe geholt hatte und auch sie nun eine Ansprechperson hatte. Sie war sichtlich erleichtert. Herr B. unterschrieb unsere 'Vereinbarung für Suizidgefährdete' und bestätigte darin, dass er keine Begleitung zu seinem Wohnort brauche und er sich nichts antue. Seine Frau wurde aufgeboten, ihn am Bahnhof abzuholen und direkt in die Klinik zu fahren.

Ergebnis

Herr B. war erleichtert, dass jemand seine Situation ernst nahm und reagierte. Die Abmachungen wurden allerseits eingehalten. Herr B. ging es in der Klinik rasch besser. Die Medikation wurde verändert und Herr B. stellte fest, dass sich seine Gedanken aufhellten. Es war entlastend, von der Ärztin zu hören, dass die Medikamente bei falscher Dosierung Suizidgedanken provozieren könnten. Als sein Gesundheitszustand wieder stabilisiert war, wurde er nach Hause entlassen. Eine Woche später konnte er bereits wieder an seinen Arbeitsplatz zurückkehren. Seine Arbeitskollegen und sein Vorgesetzter freuten sich über das Wiedersehen und zeigten sich sehr verständnisvoll. Auch die Personalabteilung hiess ihn willkommen und unterstützte ihn. Die Beraterin begleitete ihn weiterhin bezüglich Stabilität am Arbeitsplatz. Um eine Rollenvermischung zu vermeiden, wurde die externe Ehe- und Familienberatung für Paargespräche beigezogen. Den Psychiater suchte er auf, um seine Traumata zu bearbeiten und seine Emotionen zu kontrollieren.

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Gesundheitliche Probleme - Wiedereingliederung nach längerer Krankheitsabwesenheit

Ausgangslage

Herrn A. ging es nicht gut. Er wirkte unruhig, fahrig, angespannt und litt infolge akuter Durchschlafstörungen seit Wochen unter Schlafmangel. Beim nächtlichen Erwachen sei er jeweils 'voll bei der Arbeit'. Im Alltag könne er dort aber die Anforderungen schon länger nicht mehr erfüllen. Er habe keinen Appetit, fühle sich leer und antriebslos. Freude am Leben kenne er schon länger nicht mehr, er leide auch an Existenzängsten. Seine Tochter mache sich Sorgen, denn er habe sich seit dem Tod seiner Partnerin im vergangenen Jahr sehr verändert. Eine Offenlegung seines Zustandes sei undenkbar. Das sei peinlich.

Intervention Proitera

Herrn A. wurde durch die Beratung bewusst, dass er sich in einem grossen Trauerprozess befand, der seine Kräfte überstieg. Er war froh zu hören, dass dies jeden Menschen treffen könne, der eine nahestehende Person verliert. Ich beschrieb ihm die 'Trauerphasen nach Kübler Ross' und führte ihm vor Augen, dass Abschied nehmen, Zeit beanspruchte und persönliche Nachsicht erforderte. Dadurch konnte Herr A. seine für ihn zuweilen erkennbaren aber nicht verständlichen und aus seiner Sicht 'unmännlichen' Reaktionen und Handlungen einordnen und annehmen. Ihm wurde bewusst, dass seine abfallende Leistung am Arbeitsplatz nachvollziehbar war. Hätte er doch über seinen Zustand mit dem Vorgesetzten gesprochen. Damit hätte er sich die Beanstandungen ersparen können. Diese Einsichten waren ein erster wichtiger Schritt, um zu erkennen, dass er ohne Auszeit sein Ängste nicht in den Griff bekommen und seine Erschöpfung nicht kompensieren konnte. Am Arbeitsplatz war Leistung gefragt und diese wollte er rasch wieder erbringen. Er willigte ein, mit seinem Vorgesetzten ein Gespräch zu führen und zudem seinen Hausarzt aufzusuchen. Ein stationärer Aufenthalt wurde mit Unterstützung von allen Seiten -ohne Schuldgefühle und mit der Einsicht, dass dieser Schritt für ihn, die Tochter und den Arbeitgeber wichtig und richtig war - geplant.

Ergebnis

Nach fünf Wochen kehrte Herr A. an seinen Arbeitsplatz zurück. Der Einstieg wurde stufenweise gestaltet und das Arbeitspensums sukzessive erhöht. Dadurch konnte er die gewonnenen Einsichten im Alltag und bei der Arbeit umsetzen. Bewegung in der Freizeit und sein Hobby Fotografieren erfuhren eine Renaissance. Sein Vorgesetzter war froh, seinen geschätzten Mitarbeiter gesund und motiviert zurück zu wissen. Herr A. zeigte sich seinerseits äusserst dankbar, dass sein Arbeitgeber ihn durch diese schwere Zeit mitgetragen und unterstützt hatte.

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Gesundheitliche Probleme

Situation

Frau D. lebt seit Jahren mit einer Darmerkrankung. Doch nach ihrer Operation im letzten Jahr komme sie nun nicht mehr 'auf Touren'. Sie sei erschöpft und im Büro, wo leider eine schlechte Stimmung herrsche, sei sie überempfindlich und habe die Kraft nicht, um zu einer Verbesserung des Klimas beizutragen. Sie werde überhäuft mit Arbeit, sei unorganisiert und langsam. Auch zuhause, wo sie mit ihrem Mann ein Bauernhaus mit Tieren und einem Rebberg besitze, habe sie die nötige Energie nicht, um Hand anzulegen. Sie sei beim Arzt gewesen. Medizinisch gehe es ihr wieder gut, doch so könne es nicht weitergehen.

Auftrag an Proitera

Frau D. wollte Hilfe im Umgang mit ihren begrenzten Ressourcen und mit der belastenden Situation am Arbeitsplatz.

Intervention Proitera

Im Gespräch mit Frau D. zeigte sich, wie belastend die Situation am Arbeitsplatz und auch zuhause ist und ich erfuhr, dass das Zusammenspiel von Büro-, Haus- und Feldarbeit für Frau D. eine grosse Belastung darstellte. Da sie aber auf das Einkommen angewiesen war, gingen wir gemeinsam auf die Suche nach andern Arbeitsmodellen. Plötzlich meinte sie: 'Ich könnte an fünf halben Tagen arbeiten um die tägliche Arbeitszeit im Büro zu verkürzen. Dadurch gäbe es täglich freie Zeit für die Pflichten zuhause.' Im nächsten Gespräch thematisierte ich ihren Umgang mit dem grossen Arbeitsvolumen und stellte fest, dass sie mit dem Vorgesetzten nie darüber gesprochen hatte. Sie meinte, sie müsste das alles alleine schaffen. Der 'Antreibertest nach Thalheim' zeigte ihr auf, dass sie von den Glaubenssätzen 'sei perfekt', 'sei stark' und 'mach es allen recht' getrieben wird. Wie Schuppen fiel es ihr von den Augen, dass sie lernen musste, sich besser abzugrenzen, um sich auf ihre Kernaufgabe konzentrieren zu können. Wir erarbeiteten mögliche Redewendungen, mit welchen sie sich klar aber nicht verletzend abgrenzen konnte und sie erhielt die Hausaufgabe, dies zu üben und daraus entstehenden Reaktionen und Wirkungen aufzuschreiben. Der Vorgesetzte war froh, dass Frau D. auf ihn zukam um die Problematik der Arbeitsbelastung zu besprechen. Er hatte bereits Veränderungen von Frau D. bemerkt, sagte er. Das Verteilen der Arbeit auf fünf Tage bewilligte er problemlos, denn er schätzte Frau D. als gute Fachkraft. So konnten die Chancen und Gefahren der neuen Anforderungen besprochen werden, um bewusst und achtsam dieses Arbeitsmodell anzugehen. 

Ergebnis

Zwei Monate später erzählte Frau D., dass die Umverteilung erfolgreich angelaufen sei. Sie könne sich endlich wieder auf die Arbeit und ihren Garten freuen. Sie lobte ihren Vorgesetzen, der offen war für die Veränderung und ihr sogar zurückmeldete, dass er wieder sehr zufrieden sei. Auch mit den Kollegen und Kolleginnen fand sie einen guten Umgang. Die Stimmung im Team sei besser geworden. Einerseits lag der Grund in der Pensionierung einer Kollegin aber, so war sie überzeugt, auch daran, dass sie ihren persönlichen Beitrag als wieder lebensfrohe Person dazu beigetragen hatte und weiterhin leisten wollte.

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Abklärung Frühpensionierung

Anfrage

'Ich arbeite seit vielen Jahren in der Pflege und die Arbeit wird für meinen Körper zunehmend anstrengend. Ich will mich darüber informieren, ob ich mir eine Frühpensionierung leisten kann. Nächstes Jahr werde ich 60 Jahre alt.'

Ausgangslage und Intervention durch Proitera

Frau D. kam mit diversen finanziellen Unterlagen zum Ersttermin. Die Erläuterung des Pensionskassenausweises gab einen ersten Eindruck. Um die Situation genauer abzuschätzen, bestellten wir bei der Ausgleichskasse eine Rentenvorausberechnung. Im Verlaufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass Frau D. auch privat mit diversen Problemen konfrontiert ist. Der Verlust ihres Vaters schmerzte noch, doch – dies war ihr unangenehm zu sagen – war es eine Erleichterung. Er war lange krank und zunehmend dement. Überrollt wurde sie von den anschliessenden Differenzen in der Herkunftsfamilie bezüglich Vorstellung, was mit dem Elternhaus geschehen sollte. Alte Verhaltensmuster der Geschwister kamen zum Vorschein und vergessen geglaubte Geschichten und Verletzungen kamen 'auf den Tisch'. Frau D. als mittleres Kind sah sich wie früher oft in der Rolle der Vermittlerin. Das brauchte viel Kraft, zumal auch Nichten und Neffen zu Wort kommen wollten. War es nun die Arbeit, die sie zunehmend erschöpfte, oder die familiären Umstände? Frau D. wusste es plötzlich nicht mehr so genau. Wir besprachen zuerst Möglichkeiten, wie sie in dieser kräfteraubenden Zeit auftanken könnte. Die Beraterin war nicht erstaunt, zu hören, dass sie in den vergangenen Monaten sämtliche Hobbys aufgegeben hatte. Dies ist eine typische, aber gleichzeitig gefährliche Reaktion auf Überlastung und Überforderung. Frau D. war froh, dass sie sich wenigstens die Zeit für eine Beratung 'gestohlen' hatte, und analysierte nun gerne, wie sie eine bessere Balance zwischen Pflichten und Erholung finden konnte. Sie wollte sich wieder regelmässig bewegen und soziale Kontakte mit Menschen, die ihr 'guttaten', pflegen. Zum Abschluss des Erstgesprächs übte Frau D., in Worten ihre eigenen Bedürfnisse zu formulieren und sich besser abzugrenzen. 'Das hätte mir als Kind einiges erleichtert', meinte sie abschliessend, 'noch heute fühle ich mich für alles verantwortlich.'

Ergebnis

Die Rentenvorausberechnung und die Analyse der finanziellen Situation und der Bedürfnisse von Frau D. ergaben, dass sie sich nach ihrem nächsten Geburtstag pensionieren könnte. Diese Erkenntnis kam für sie sehr überraschend und sie spürte grosse Erleichterung. Gerne wollte sie mit der Option der frühzeitigen Pensionierung den geliebten Beruf noch eine Weile ausüben. 'Und falls mein Rücken zu sehr zwickt, gehe ich in Rente.' Auch die Aufgaben, welche die Beraterin ihr gab, brachten positive Ergebnisse. Sie fühlte sich autonomer und sichtbar gelassener, erkannte ihre Grenzen besser und brachte sogar den Mut auf, private schwierige Kontakte zu klären.

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