Long Covid verlangt nach Neuorientierung – wir unterstützen Sie dabei.
Eine überstandene Covid-19-Infektion bedeutet nicht immer, dass die Patientinnen und Patienten geheilt sind: Schätzungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) ergaben im Februar 2022, dass jede fünfte Person in der Schweiz nach einer Corona-Infektion an Long Covid-Symptomen leiden könnte. Die meisten Symptome, zum Beispiel chronische Erschöpfung, Schmerzen oder Kurzatmigkeit, beeinträchtigen den Alltag der Betroffenen mehr oder weniger stark. Beschwerden können seit einer akuten Covid-19-Erkrankung bestehen, oder nach einer anfänglichen Genesung neu auftreten. Sie können unterschiedlich stark sein und sich über die Zeit verändern oder wiederkehren.
| Begriff | Beschreibung |
|---|---|
| Akuter Covid-19 Infekt | bis zu 4 Wochen |
| Anhaltender symptomatischer Covid-19 Infekt | 4 bis 12 Wochen |
| Long Covid | Eines bis mehrere Symptome, die nach einer Covid-19-Infektion fortdauern oder auftreten (ab 4 Wochen) |
| Post-Covid-19-Syndrom | Fortdauernde Beschwerden mehr als 12 Wochen nach Beginn einer Covid-19-Erkrankung |
| Fatigue-Syndrom (ME/CFS) | Tritt häufig nach Pfeifferschen Drüsenfieber (Epstein-Barr-Virus), Grippe oder Covid-19 Infektionen auf. |
Post- Exertional Malaise (PEM)
Die häufigsten Symptome einer Long-Covid Erkrankung sind starke Müdigkeit, Erschöpfung oder eine Belastungsintoleranz, einhergehend mit einer Post-Exertional Malaise (PEM). PEM bezeichnet eine Verschlimmerung der genannten Symptome schon nach geringer körperlicher, geistiger oder emotionaler Anstrengung. Bereits Sitzen oder Stehen, aber auch Reize von aussen wie Licht und Geräusche können PEM auslösen. Diese tritt unmittelbar nach einer ausgeführten Aktivität oder mit einer Verzögerung von etwa zwölf bis 48 Stunden auf und kann für mehrere Tage oder Wochen anhalten. Es kann auch zu einer dauerhaften Verschlechterung des Allgemeinzustands kommen.
Spannungsfelder für Post-Covid Betroffene
Die soziale Dimension von Long-Covid zeigt sich in einschneidenden Veränderungen der Lebensführung. Während Betroffene vor der Erkrankung voll im Leben standen und oft leistungsorientiert waren, sind sie nun damit konfrontiert, dass sie in ihrer Alltagsbewältigung stark beeinträchtigt sind. Die geringe Arbeitsfähigkeit führt zu einer massiven Belastung des Familiensystems und damit zu existentiellen Sorgen. Nebst dem Verlust des Selbstvertrauens droht durch die fehlende Teilnahme am gesellschaftlichen Leben die soziale Isolation.
Die geringe Belastbarkeit ist für Erkrankte oft schwierig zu akzeptieren, was Gefühle von Ohnmacht und Angst auslösen kann. Depressionen und eine posttraumatische Belastungsstörung können die Folge sein.
Spannungsfelder in der Therapie und Eingliederung
Zurzeit sind keine Therapien für Fatigue, Belastungsintoleranz und kognitive Dysfunktion etabliert. Long-Covid Betroffene sind von langen Krankheitsverläufen mit Rückschlägen betroffen. Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (IV), die bei einer dauerhaften Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Erkrankung ergriffen werden, sind auf eine rasche Leistungssteigerung bedacht. Für Personen, die an Post-Covid leiden, hat jedoch eine Stabilisierung der Situation und der Umgang mit den auftretenden Symptomen Priorität. Deshalb ist eine rasche Leistungssteigerung und schnelle Eingliederung zurück in die Arbeitswelt oft nicht möglich. Dies führt häufig zum Abbruch von Eingliederungsmassnahmen.
Quelle: «Wenn bekannte Bewältigungsstrategien nicht mehr greifen, Treffpunkt Soziale Diagnostik, FHNW», Laura Schmid, Leiterin Sozialberatung Klinik Barmelweid
Hilfestellung für Betroffene
Je nach Schwere der Erkrankung, hat die neue Lebenssituation mehr oder weniger weitreichende Folgen für die Alltagsgestaltung und das Arbeitssystem. Diese Veränderungen zu begleiten, stabilisierende Bedingungen zu schaffen und betroffene Mitarbeitende sowie ihr privates wie berufliches Umfeld zu unterstützen, ist Aufgabe der Betrieblichen Sozialarbeit.
Zuhören und Verstehen
Unsere Beraterinnen und Berater nehmen Betroffene und ihre Situation ernst, hören ihnen zu und lassen sie mit ihren Ängsten nicht allein. Als Profis der Betrieblichen Sozialarbeit suchen wir gemeinsam nach Lösungen. In unserer Beratung geben wir Ratsuchenden den Raum, über Emotionen und Gedanken zu sprechen.
Fördern und Informieren
In der Beratung informieren wir Betroffene und ihre Angehörigen über die Krankheit und ihre Behandlungsformen. Wir fördern das Krankheitsverständnis und den selbstbestimmten Umgang mit der Krankheit. Daneben unterstützen wir Patientinnen und Patienten bei der Entwicklung adäquater Bewältigungsstrategien (Psychoedukation und Psychosomatisches Krankheitsverständnis fördern).
Stabilisieren und Wahrnehmen
Wir unterstützen Betroffene darin, ihre Belastungsgrenzen zu erkennen, wahrzunehmen und ihr Leben neu zu organisieren. Unsere Methoden zielen darauf ab einen schonenden Umgang mit den persönlichen Ressourcen – auf körperlicher, geistiger und emotionaler Ebene zu entwickeln. Wir analysieren und definieren Massnahmen, die dabei helfen einen stabilen Energielevel zu erreichen, um eine Rückkehr in einen – vielleicht neuen – Alltag zu ermöglichen.
Reflektieren und Lernen
Wir reflektieren bestehende Ängste und Sorgen zusammen mit den Erkrankten. Für die erfolgreiche Verarbeitung von Emotionen vermitteln wir hilfreiche Techniken. Gemeinsam erarbeiten wir überdies Strategien zur Stärkung des Selbstwerts und unterstützten Betroffene dabei, wieder ein positives Selbstverständnis zu finden oder dieses neu zu definieren.
Beraten und Aufklären
Wir bieten Unterstützung bei administrativen Aufgaben, vermitteln Hilfsangebote und beraten in Bezug auf Sozialversicherungsansprüche. Auch die Angehörigenarbeit und die Entlastung des Support-Netzwerks gehören zu unseren Aufgaben. Als Bindeglied zwischen Arbeitnehmenden und erkrankten Mitarbeitenden helfen wir bei der Aufklärung und Sensibilisierung des beruflichen Umfelds. Bei einer Wiedereingliederung stellen wir sicher, dass eine allfällige gesundheitliche Überforderung oder drohende Leistungseinbrüche schnell erkannt werden. Gemeinsam mit den Betroffenen und ihren Vorgesetzten entwickeln wir individuelle Massnahmen, um solche Situationen zu verhindern.
Weiterführende Informationen
- Studie BMJ: Recovery and symptom trajectories up to two years after SARS-CoV-2 infection: population based, longitudinal cohort study
- Soziale Diagnostik: Durch Long Covid aus dem Leben gespickt – wie können wir als Fachpersonen (besser) helfen?»
- SRF: Long Covid: Betroffene leiden auch zwei Jahre später noch
- Deutsche Gesellschaft für ME/CFS E.V.: Was ist ME/CFS?
- Luzerner Kantonsspital: Merkblatt Fatigue, PEM und Pacing