Auftrag des HR-Verantwortlichen an Proitera
Keine Motivation am Arbeitsplatz
Ausgangslage
Der 60-jährige Herr S. ist seit vielen Jahren im Unternehmen tätig und hat in seiner Abteilung bereits einige Veränderungen durchlebt. Die aktuellsten Neuerungen und Modernisierungsmassnahmen scheinen ihm jedoch besonders zu widerstreben. Er zeigt sich unkooperativ gegenüber seinem Vorgesetzten und ist vermehrt mürrisch. Arbeitskollegen melden, dass sich Herr S. innerhalb und ausserhalb des Arbeitsplatzes lautstark über seinen Job beklagt und schlechte Laune verbreitet. Auf Nachfrage des Vorgesetzten verstummt Herr S., an klärenden Gesprächen ist er nicht interessiert. Der Vorgesetzte ist ratlos und gelangt mit seinem Anliegen an den HR-Verantwortlichen.
Auftrag an Proitera
Der HR-Verantwortliche beauftragt Proitera, eine Standortbestimmung mit Herrn S. durchzuführen. In dieser sollen die negative Aussagen zu seinem Aufgabenbereich und der Arbeitgeberin zur Sprache kommen. Weiter gilt es, herauszufinden, ob seinerseits Bereitschaft zu einem kooperativen Verhalten besteht.
Intervention Proitera
Bei der Kontaktaufnahme durch die Sozialberaterin zeigt sich Herr S. anfangs wenig kooperativ. Er willigt nur widerstrebend ins Erstgespräch ein. Im persönlichen Austausch beschreibt er seine Arbeitssituation als «nicht optimal». Er fühlt sich nicht ins Team eingebunden und aufgrund von Veränderungen am Arbeitsort weitgehend abgeschoben. Die Wut über diese Situation veranlasse ihn, auch ausserhalb des Arbeitsplatzes schlecht über den Arbeitgeber zu sprechen. Er habe kein Interesse, an «stressigen» und «nervigen» Gesprächen teilzunehmen, auch nicht mit der Beraterin von Proitera. Trotz dieser Aussage erscheint Herr S. auch zum Folgetermin.
Auf Nachfrage stellt sich heraus, was ihn «nervt» und «stresst»: «Es geht nicht, dass mein jüngerer Vorgesetzter mir Vorschriften macht. Die in den höheren Chefetagen sieht man nicht mehr, heute regieren Fragebögen. Und dann die ständige Überwachung – mit dieser Badge-Kontrolle wissen sie immer, wo ich gerade bin.» Weiter gibt er zu: «Ich bin altersbedingt dünnhäutiger geworden und habe oft Gelenkbeschwerden. Ich will bloss in Ruhe arbeiten können. Soll ich mich frühpensionieren lassen?»
Bei den Folgegesprächen ist Herr S. deutlich gelöster, obwohl er weiterhin betont, dass es diese nicht brauche. Er beschreibt seinen Arbeitsalltag und zählt seine Pendenzen auf. Herr S. hat sichtbar Mühe, sich bei der Arbeit zu motivieren. Ein Frageblatt zur Motivation soll ihm dabei behilflich sein. Obschon er Fragebögen nicht mag, verspricht er, ihn auszufüllen. Beim dritten Gespräch ist eine deutliche Änderung seines Verhaltens erkennbar. Herr S. hat in der Zwischenzeit über seine Motivation und seine persönlichen Ziele nachgedacht. Auf dem Fragebogen gibt er an, dass ihm die Sicherheit am Arbeitsplatz wichtig sei, er sich aber unsicher fühle. Er hat Angst vor einem Arbeitsplatzverlust. Obschon er gute Arbeit leisten will, ist er innerlich blockiert und fühlt sich in einer Spirale negativer Gedanken gefangen. Als sich Herr S. mit der Frage auseinandersetzt, optional den Arbeitsplatz zu wechseln, realisiert er, dass er sich lieber in die modernisierten Strukturen des bestehenden Arbeitsplatzes einfügen möchte, als einen grundlegenden Stellenwechsel mit allen Unsicherheiten ins Auge zu fassen. Das Eis ist gebrochen.
Ergebnis
Nach dieser Erkenntnis geht Herr S. motivierter seiner Arbeit nach und seine Zukunftsängste nehmen ab. Er sagt aus eigenem Antrieb, dass er seinen jungen Vorgesetzten nun besser verstehe. In Vereinbarung mit Herrn S. nimmt die Sozialberaterin nach den Gesprächen jeweils Rücksprache mit seinem Vorgesetzten. Dieser stellt eine deutliche Veränderung im Verhalten von Herrn S. fest und ist gerne bereit, sich im persönlichen Austausch ab und zu nach dessen Zukunftsängsten zu erkundigen. Die Situation entspannt sich zunehmend.