So helfen wir Mitarbeitenden, einen Schock zu verarbeiten

Psychosoziale Notfallversorgung

Ausgangslage

Herr P. und seine Frau sind erfahrene Motorradfahrer. Zu Beginn der gemeinsamen Ferien planen sie eine Motorrad-Tour. Frau P. nimmt als Mitfahrerin hinter ihrem Mann Platz. Als Herr P. beginnt, einen sehr langsamen, unsicher manövrierenden Autofahrer zu überholen, biegt dieser unerwartet ab. Das Motorrad gerät ausser Kontrolle und gerät ins Schleudern. Beim nachfolgenden Sturz wird Frau P. stark verletzt und muss mit dem Helikopter ins Spital gebracht werden.

Nach den Ferien kehrt Herr P. an den Arbeitsplatz zurück. Allerdings spürt er bald, dass er den Schock des Unfalls noch nicht überwunden hat. Händezittern, Schlafstörungen, starkes Schwitzen und die anhaltendende Angst vor einer drohenden Gefahr plagen ihn nicht nur privat, sondern auch am Arbeitsplatz. Seit dem Unfall traut sich das Ehepaar nur noch ungern in den Strassenverkehr und ist in seiner Mobilität erheblich eingeschränkt.

Auftrag an Proitera

Etwa zehn Tage nach dem Unfall meldet sich Herr P. auf Anraten seiner Vorgesetzten bei Proitera. Die zugeteilte Sozialberaterin ist geschult in den Bereichen Psychosoziale Notfallversorgung und Debriefing.

Intervention Proitera 

Im Vorgespräch wird geklärt, ob ein Debriefing die richtige Methode ist, um dem Ehepaar weiterzuhelfen. Alternativ steht eine Triage zur Opferhilfe oder Traumatherapie zur Diskussion. Der bewusste Entscheid für die Debriefing-Methode und das Einverständnis der betroffenen Person(en) sind ausschlaggebend für dessen Wirksamkeit. Herrn und Frau P. wird genau erklärt, was unter einem «Debriefing» zu verstehen ist. Beide sind damit einverstanden, diese Methode an individuell vereinbarten Terminen einzusetzen.

In der zwei- bis dreistündigen Sitzung wird darauf fokussiert, die verschiedenen Erlebnisebenen (Fakten, Gedanken, Emotionen) zu differenzieren. So lassen sich Stress im autonomen Nervensystem abbauen und die Auswirkungen des traumatischen Ereignisses auf die Gegenwart lindern. Sechs bis acht Wochen nach dem Debriefing erfolgt ein zweiter Termin, um herauszufinden, was sich in der Zwischenzeit verändert hat.

Ergebnis

Das Debriefing zeigt Wirkung: Herrn P.s körperliche Reaktionen wie Händezittern, Schlafstörungen und starkes Schwitzen haben merklich nachgelassen. Durch den besseren Schlaf fühlt sich Herr P. erholter, er kann sich besser auf die Arbeit konzentrieren. Auch im Strassenverkehr fühlt er sich zunehmend sicherer und das Ehepaar ist wieder vermehrt unterwegs. Herr P. weiss nun, dass das Ereignis in der Vergangenheit liegt und die Gefahr vorbei ist. Er hat gelernt, wie er Stressreaktionen entgegenwirken kann.