Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und gesundheitliche Probleme
Ausgangslage
Frau A. und ihr Mann sind beide erwerbstätig, das Paar hat zwei Kinder im Vorschulalter. Vor sechs Monaten ist Frau A. nach ihrem Mutterschaftsurlaub an den Arbeitsplatz zurückgekehrt. Sie fühlt sich zunehmend überfordert und realisiert, dass sie die Doppelbelastung unterschätzt hat. Schuldgefühle gegenüber Arbeitgeberin, Kindern, Partner und dem vernachlässigten Freundeskreis plagen sie.
Auftrag an Proitera
Frau A. nimmt mit Proitera Kontakt auf. Sie erhofft sich von der betrieblichen Sozialberatung Unterstützung, damit sie aus der Erschöpfung herausfinden und künftig allen Ansprüchen gerecht werden kann.
Intervention Proitera
Im Erstgespräch beschreibt sich Frau A. als ausgebrannt und energielos. Sie hat Schlafprobleme und Mühe, sich ausgewogen zu ernähren. Eine Krankschreibung wegen Erschöpfung komme jedoch nicht in Frage und eine Pensenreduktion sei aus finanziellen Gründen nicht möglich.
Frau A. erklärt sich zu einer ärztlichen Konsultation bereit. Proitera erachtet diese zu Beratungsbeginn als notwendig, um die Arbeitsfähigkeit der betroffenen Person zu beurteilen und deren Leistungs- resp. Konzentrationsfähigkeit am Arbeitsplatz sicherzustellen.
Nach den medizinischen Abklärungen wird ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, wie Frau A. mit unterschiedlichen Herausforderungen und Verpflichtungen umgeht. Sie erklärt: «Ich will immer zu viel und überlade den Karren!»
Bereits diese Einsicht wirkt sich entlastend auf Frau A. aus. Sie empfindet das offene Gespräch mit der Proitera-Beraterin als wohltuend und stellt fest, dass sie dies im Alltag mit ihrem Mann vermisst. Gerne würde sie ihm mitteilen, dass sie sich überlastet fühlt und die Arbeit reduzieren möchte. Das Ja zum zweiten Kind war jedoch an das Versprechen geknüpft, dass sie zu 80% erwerbstätig bleibt. Sie fühlt sich nun als Versagerin.
Durch «Focusing», eine Intervention nach Gendlin, kann Frau A. ihre Beklemmung lokalisieren und Mut schöpfen, zu ihrer Selbstüberschätzung zu stehen. Ihre Mutter um Unterstützung mit der Kinderbetreuung anzufragen und das Gespräch mit ihrem Mann und dem Vorgesetzten zu suchen, erscheint ihr plötzlich machbar und klug. Eine Budgetberatung im Folgegespräch hilft ihr, die finanzielle Situation besser einzuschätzen und Existenzängste abzubauen. Im Abschlussgespräch werden die ärztliche Beurteilung und das mit dem Ehemann erfolgte Gespräch besprochen und positive Bilanz gezogen.
Ergebnis
Die Gespräche entlasten und helfen Frau A., ihre Situation und ihr Verhalten objektiv zu reflektieren. Ihre Überlastung offen anzusprechen, empfindet sie als besonders wichtigen Schritt. Entgegen ihrer Befürchtung fällt das Gespräch mit dem Vorgesetzten verständnisvoll und wohlwollend aus. «Ich kann intern voraussichtlich zu einer 40%-Stelle wechseln!», teilt sie erleichtert mit. «Und falls das nicht klappt, habe ich die Option, eine Weile zu Hause zu bleiben.» Ihrer Beraterin teilt sie später per E-Mail mit, dass es mit dem internen Stellenwechsel geklappt hat. Frau A. kann nun alle Anforderungen unter einen Hut bringen – ganz ohne Krankenabsenzen. Die Firma hat eine erfahrene, geschätzte Mitarbeiterin halten können.