6. September 2021

Diversity & Inclusion am Beispiel der BKB – Bank Cler

Das Thema Diversität und Chancengleichheit wird für viele Unternehmen immer wichtiger. So auch für unsere Kundin, die Basler Kantonalbank (BKB) und deren Tochter Bank Cler. Wir haben mit Judith Enssle, Leiterin HR Development und Verantwortliche für Projekte im Bereich Diversity & Inclusion über das Thema gesprochen.

Judith Enssle, Leiterin HR Development, BKB – Bank Cler

1. Frau Enssle, wie ist die BKB – Bank Cler an das Thema Diversity & Inclusion herangegangen?

Wir haben konkrete Massnahmen definiert und umgesetzt. So haben wir unseren Arbeitgeberauftritt angepasst und unsere Stelleninserate komplett überarbeitet, damit sich Frauen noch stärker angesprochen fühlen. Wir schreiben diese in weiblicher Form aus. Ausserdem haben wir unseren Rekrutierungsprozess neu gestaltet. In Auswahlgremien für neu einzustellende Funktionen muss immer auch eine Frau vertreten sein. Bei der Rekrutierung von höheren Führungsfunktionen muss dem Vergütungs- und Nominationsausschuss und der Geschäftsleitung immer ein ausgewogener Mix an weiblichen und männlichen Kandidaten vorgestellt werden. Falls dies nicht gelingt, sind die Gründe dafür aufzuzeigen.  Zusätzlich veranstalten wir etwa vier Anlässe resp. Dialogformate im Jahr unter dem Label Expedition Diversity, an denen wir grundsätzlich alle Mitarbeitende für Diversität und Inklusion sensibilisieren, voneinander lernen und Erwartungen abholen. Es werden Themen angesprochen wie beispielsweise die «Unbewusste Voreingenommenheit» (Unconscious Bias). Zudem veranstalten wir spezifische Anlässe für Frauen mit dem Titel «Mut» oder «Stärken stärken».

Mit unseren Aktivitäten möchten wir eine andere Denkrichtung anstossen, Augen öffnen und es den Mitarbeitenden ermöglichen, eine alternative, persönliche Sicht der Dinge einzunehmen.

2. Sie erwähnen die Personalrekrutierung. Welchen Mehrwert schafft Diversity & Inclusion diesbezüglich?

Die Frage nach der Zusammenstellung eines Teams stellt sich bereits bei der Rekrutierung. Suchen wir ähnliche Mitarbeitende wie sie bereits im Team vertreten sind oder möchten wir jemanden mit einer anderen Ausbildung/ Qualifikation, anderen Erfahrungen oder einem anderen kulturellen Hintergrund ansprechen? Vielfalt ist eine grosse Bereicherung und hilft, alte Denkmuster sowie Verhaltensweisen zu überdenken und zu durchbrechen. Dadurch, dass wir solche Aspekte als Unternehmen und in der Rekrutierung thematisieren und zudem flexibles Arbeiten ermöglichen, erhoffen wir uns, dass sich auch viele unterschiedliche Personen angesprochen fühlen und bei uns arbeiten wollen.

3. Was waren die grössten Widerstände, die Sie im Unternehmen betreffend Ihrer Massnahmen erfahren haben?

Wir hatten durchwegs positive Resonanz darauf. Die Massnahmen werden im Übrigen niemandem aufgezwungen. Mit unseren Aktivitäten möchten wir eine andere Denkrichtung anstossen, Augen öffnen und es den Mitarbeitenden ermöglichen, eine alternative, persönliche Sicht der Dinge einzunehmen. Dafür fördern wir einen offenen Dialog, zum Beispiel zum Thema Karriere und Teilzeit – unabhängig von Familiensituation und Geschlecht.

Wir haben festgestellt, dass wir uns lieber auf wenige Aktionen konzentrieren, diese dafür tiefgreifend angehen. 

4. Welche Empfehlungen würden Sie anderen Unternehmen mit auf den Weg geben, die ebenfalls im Bereich Diversität und Chancengleichheit aktiv werden wollen?

Setzen Sie sich realistische Ziele und planen Sie diese etappenweise. Dabei gilt es, keine leeren Versprechungen zu machen nur weil etwas gut klingt. Wir möchten davon abraten, das Anliegen lediglich aus Marketingzwecken oder als modischen Trend anzusehen. Wir haben festgestellt, dass wir uns lieber auf wenige Aktionen konzentrieren, diese dafür tiefgreifend angehen. 

5. Inwiefern kann die Betriebliche Sozialberatung bei der Integration von Diversity & Inclusion unterstützend wirken?

Bei uns zum Beispiel im Fall von zwei integrativen Arbeitsplätzen. Diese besetzen wir mit externen Mitarbeitenden, die eine Beeinträchtigung haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Betriebliche Sozialberatung unser Team bei der Integration seiner neuen Mitglieder unterstützt. Die Beraterinnen und Berater können zudem bei der Definition von Arbeitsabläufen und bei offenen Fragen als Ansprechperson zur Seite stehen. Ein anderes Thema ist die Pflege von Angehörigen, das sogenannte «Elder Care». Hier stehen die Unterstützung, Begleitung und Entlastung von betroffenen Mitarbeitenden im Vordergrund.

Besten Dank an Judith Enssle für dieses interessante Gespräch!


Diesen Artikel teilen

Weitere Blog-Artikel lesen

Wenn Aufschieben krank macht – Erledigungsblockaden erkennen, überwinden oder vermeiden.

Stefan muss morgen eine wichtige Fallstudie abgeben und hat noch kein einziges Wort geschrieben. Stattdessen räumt er seine Mailbox ...

Mehr erfahren
Wie wir die fünf inneren Antreiber nutzen, um Stress zu mindern

Mehr Zeit mit der Familie verbringen, mehr Sport treiben, gesünder Essen – kennen Sie das? Zum Jahresende sind sie ...

Mehr erfahren
Portrait: Ursula Schüpbach

Ursula Schüpbach, Sozialarbeiterin und Regionalverantwortliche für die Region Mittelland, gibt uns Einblicke in Ihren Arbeitsalltag. Sie erklärt uns, warum ...

Mehr erfahren
Eigene Grenzen kennen und fremde Grenzen respektieren

«Jetzt mach nicht so ein Drama, so schlimm ist das nicht.» Oder: «Deswegen musst du nicht gleich so ausflippen.» ...

Mehr erfahren
Alle Blog-Artikel