2. August 2021

Work And Care: Neues Bundesgesetz entlastet pflegende Angehörige

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Typische Aufgaben von Angehörigen

Im Bewusstsein, dass pflegende Angehörige eine wichtige Stütze unserer Gesellschaft sind, hat der Bundesrat 2019 das Bundesgesetz zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenbetreuung verabschiedet. Der erste Teil des Bundesgesetzes trat am 1. Januar 2021 in Kraft, der zweite Teil am 1. Juli 2021. Insgesamt führt die Gesetzesanpassung zu folgenden Änderungen:   

Lohnfortzahlung für höchstens drei Tage pro Fall, wenn man wegen Krankheit oder Unfall ein Familienmitglied oder seinen Partner pflegen muss. Pro Jahr wird der Lohn maximal an zehn Tagen fortbezahlt.  

Zahlung von Betreuungsgutschriften, wenn die pflegebedürftige Person AHV bezieht, oder über die IV, die Unfall- oder die Militärversicherung eine Hilflosenentschädigung erhält. Davon können auch Konkubinatspartnerinnen und -partner profitieren, wenn sie seit mindestens fünf Jahren im gleichen Haushalt leben. 

Der Intensivpflegezugschlag wird bei einem Spitalaufenthalt eines Kindes nicht mehr unterbrochen. Das heisst, der Leistungsanspruch bleibt während des ganzen Aufenthalts bestehen. Um den Intensivpflegezuschlag zu erhalten, muss das Spital für die Dauer des Spitalaufenthalts aber jeweils nach 30 Tagen neu bestätigen, dass die Anwesenheit eines Elternteils nötig ist und diese auch erfolgte.  

Einführung einer 14-wöchigen Pflegekarenz zur Betreuung eines schwer kranken Kindes oder Unfallopfers für berufstätige Eltern. Die 14 Wochen können in einem Zeitraum von 18 Monaten am Stück, oder verteilt auf einzelne Tage bezogen werden.

Trotz dieser gesetzlichen Verbesserungen leiden betreuende Angehörige unter der erheblichen Mehrfachbelastung durch Beruf und Pflege. Daraus resultieren oft negative gesundheitliche Folgen, die sich erschwerend auf die eigene Berufstätigkeit und Pflegefähigkeit auswirken. Rund zwei Drittel der Angehörigen mit Betreuungsaufgaben sind erwerbstätig, was – trotz Doppelbelastung – in der Regel von Vorteil ist. Denn es stellt sicher, dass Angehörige auch ausserhalb des Familienkreises sozial integriert bleiben und nicht in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Auch ist es für betreuende Angehörige wichtig, sich nicht nur über die Tätigkeit als Pflegekraft zu identifizieren.

Das hilft Ihnen als Betroffene/Betroffener

Die persönliche Situation analysieren
Welches sind Ihre eigenen Bedürfnisse um psychisch und physisch gesund und ausgeglichen zu bleiben? In welchem Bereich brauchen Sie Unterstützung? Gibt es unterschiedliche Arbeitsmodelle im Betrieb?

Sich informieren
Das Internet bietet eine Fülle von relevanten Informationen zum Thema Arbeit und Betreuung (Work & Care). Erkundigen Sie sich über die Möglichkeiten, die Ihr Arbeitgeber/Ihre Arbeitgeberin anbietet und wenden Sie sich dazu an das HR.

Den Dialog suchen
Machen Sie eine Auslegeordnung bei Ihrer Proitera-Beraterin /Ihrem Proitera-Berater. Bereiten Sie sich sorgfältig auf ein allfälliges klärendes Gespräch mit Ihren Vorgesetzten oder dem HR vor. Reden Sie über Ihre aktuelle Situation und die damit verbundenen, vielfältigen Belastungen. Die Inanspruchnahme von (externer) Beratung kann helfen, die Kommunikation mit allen Beteiligten zu erleichtern und passende Lösungen zu finden.

Ihre Proitera-Beraterin/ Ihr Proitera-Berater unterstützt Sie:       

  • bei der Administration und Behördengängen, oder leitet Sie an die entsprechenden Support-Dienste weiter
  • bei rechtlichen Fragen zu Ihrer eigenen Situation oder jener der betreuten Person
  • bei der Selbstreflexion und Planung der Kommunikation mit Dritten, etwa an wen Sie in Ihrem privaten und/oder beruflichen Umfeld welche Informationen wie weitergeben
  • wenn Sie sich in einem Gespräch einer neutralen Person anvertrauen möchten
  • dabei zu erkennen, welche Ihre eigenen Bedürfnisse sind, diese anzunehmen und Grenzen zu setzen

Diese Massnahmen können für Ihre Mitarbeitenden hilfreich sein

Mobiles und flexibles Arbeiten
«Home-Office» schafft viel Flexibilität und Entlastung für Arzt- und Behördengänge, die mehrheitlich nur tagsüber möglich sind. Ausserdem hilft flexibles Arbeiten pflegenden Mitarbeitenden dabei, ihren Alltag besser zu organisieren. Dabei zählt das Arbeitsergebnis und nicht die Anwesenheit am Arbeitsplatz.  

Wissensmanagement
Setzen Sie sich als Vorgesetzte/-r für Ihre Mitarbeitenden mit Betreuungsaufgaben ein. Helfen Sie den Betroffenen beim Zeitmanagement und lassen Sie die erworbenen sozialen Kompetenzen ins Mitarbeitendengespräch einfliessen. Individuelle und Betriebs übergreifende Informationen sowie Seminare und Vorträge im Unternehmen ermöglichen es Mitarbeitenden und Vorgesetzten, sich mit dem Thema Work & Care auseinanderzusetzen und ein besseres Verständnis zu entwickeln.  

Ansprechpartner/-in
Mitarbeitende mit Pflegeaufgaben sind mehrfach belastet und möchten sich möglicherweise im Gespräch jemandem anvertrauen. Die Berater/-innen von Proitera führen oft solche Gespräche und helfen, belastende Themen wie zum Beispiel Schuldgefühle zu verarbeiten. 

Lesen Sie auch unseren Blogartikel zum Thema: Elder Care – Work and Care: ein brisantes Thema für Erwerbstätige


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