16. Mai 2018

Mobbingvorwurf am Arbeitsplatz – was nun?

Ein langjähriger Angestellter ist verzweifelt: Seit er mit einem neuen Arbeitskollegen den Computer teilen muss, verschwinden regelmässig Daten. Manchmal erhält er wichtige Informationen nicht und kann an Sitzungen deswegen nicht mitreden. Der Chef rügt ihn ein erstes Mal, weil er eine Arbeit nicht fristgerecht abgeliefert hat. Der Angestellte beginnt, an Schlaflosigkeit zu leiden, wird immer häufiger krank, wird schliesslich entlassen – ein typischer Fall von Mobbing?

Was ist Mobbing?

Informationen vorenthalten, anpöbeln, ausgrenzen. Mobbing ist vielschichtig und kann Betroffene zermürben. Frühzeitige Beratung hilft. Aber: Nicht jedes böse Wort, jeder lautstarke Streit oder Kleinkrieg unter Angestellten ist Mobbing. Mobbing bedeutet anpöbeln, angreifen, ausgrenzen. Es steht für böswillige Handlungen von einem oder mehreren Mitarbeitenden, die gegen eine/-n Arbeitskolleg/-in gerichtet sind und die kein anderes Ziel haben, als diese/-n langfristig zu schikanieren. Dazu gehört sich über jemanden lächerlich zu machen, diffuse Kritik zu üben, ohne konkret zu werden, jemanden zu ignorieren, wichtige Informationen vorzuenthalten oder jemanden zu verleumden.

Für die juristische Beurteilung werden oft die Kriterien von Heinz Leymann, führendem Mobbing-Wissenschaftler, herangezogen. Dabei handelt es sich um Mobbing wenn:

  • systematische Angriffe gegen eine Person ausgeübt werden
  • welche zum Ziel haben die Betroffenen auszugrenzen
  • diese Handlungen lange andauernd (ca. 6 Mt.)
  • wiederholt stattfinden (ca. 1x Wo.)
  • gesundheitliche Folgeschäden für die Betroffenen haben

Mobbing ja oder nein? Lesen Sie dazu auch unser Fallbeispiel.

Mobbing und Arbeitsklima

In einem guten Arbeitsklima hat Mobbing wenig Chancen. Einerseits wirken sich faire und transparente Strukturen positiv aus, andererseits ist aber auch das Engagement des/der Vorgesetzten Bedingung. Denn das Verhindern von Mobbing ist eine Führungsaufgabe.

Ob sich aus einer angespannten Situation ein Mobbing entwickelt, hängt einerseits vom Verhalten des Mobbenden, andererseits vom Empfinden und den Reaktionen der gemobbten Person ab. Es entsteht vor allem dort,

  • wo eine lang andauernde Phase von Stress das Arbeitsklima belastet
  • wo aufgrund von wirtschaftlichem Druck Reorganisationen durchgeführt werden, was die Macht neu verteilt und Kämpfe um die Arbeitsplätze auslösen kann
  • Wo unzureichend geführt wird

Reaktion verhindert Eskalation

Oft nehmen die Betroffenen die Mobbinghandlungen zu Beginn gar nicht richtig wahr. Wenn die Angriffe aber zunehmen, leidet das Selbstbewusstsein der Betroffenen. Sie verlieren zunehmend an Ansehen am Arbeitsplatz. Die Arbeitskolleg/-innen beginnen, sich zu distanzieren und unterschlagen Informationen. Leistungsdruck, unklare Kompetenzen und Verantwortung, mangelhafter Führungsstil, unzufriedene Arbeitskolleg/-innen und drohender Stellenabbau können Mobbinghandlungen begünstigen. Mobbing kann nur geschehen, wenn sich niemand im Team oder von den Vorgesetzten um diese Dinge kümmert.

Ein Mobbing-Opfer leidet schwer unter psychischen Störungen sowie unter körperlichen Krankheitssymptomen. Betroffene werden von Selbstzweifeln und der Angst, die Stelle zu verlieren, geplagt. Sie leiden häufig unter Konzentrationsschwierigkeiten und Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen oder Antriebslosigkeit, Rückenschmerzen, Durchfall, Kopfweh. Im Extremfall kann Selbstmord die letzte Konsequenz von Mobbinghandlungen sein. Deshalb ist es sehr wichtig, zu reagieren, bevor die Situation eskaliert. Suchen Sie Rückhalt, bevor die Situation eskaliert. Reden Sie mit einem/einer Kollegen oder Kollegin, suchen Sie den Kontakt zu Ihrer/-m Vorgesetzten und nehmen Sie in jedem Fall Kontakt mit der Sozialberatung auf.

Sind Sie von Mobbing betroffen? Testen Sie sich selbst! Checkliste zum Thema Mobbing am Arbeitsplatz.

Proitera bietet fachliche Unterstützung

Die Betriebliche Sozialberatung ist die unbefangene, vertrauliche, externe Anlaufstelle bei Problemen am Arbeitsplatz und auch bei Mobbing. Die Erfahrung hat gezeigt, dass durch die Beratung bei Problemen am Arbeitsplatz manche Mobbingsituation verhindert und dadurch hohe Folgekosten eingespart werden konnten. In der Beratung gilt es, das Problem im Detail zu erfassen, Lösungswege zu erarbeiten und durch konkrete Schritte zu handeln. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, wir helfen Ihnen gerne weiter.

Seminar: Mobbingvorwurf – was tun?

Die Forschung zeigt, Führungskräfte stehen bei Mobbing in der Verantwortung, denn sie sind Teil des entstandenen Problems. Doch wie entsteht eine Mobbing-Dynamik? Wie wird sie erkannt? Wie unterbrechen Sie die Dynamik? Erfahren Sie mehr darüber an unserem Halbtagesseminar für Vertragsfirmen in der Region NWCH. Wir sprechen über Handlungsschritte um Mobbing zu verhindern, zu unterbrechen oder aufzulösen.

Informationen zum Halbtagesseminar Mobbingvorwurf – was tun?

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