8. Mai 2019

Motivation am Arbeitsplatz: so bleiben Mitarbeitende engagiert

Arbeitgeber und Vorgesetzte sind auf sie angewiesen: Engagierte Mitarbeitende sind mit dem Herzen bei der Arbeit, entwickeln gerne neue Ideen und gehen auf in ihrem Job. Die Einsatzbereitschaft des Personals bestimmt über den Erfolg eines Unternehmens. Denn stimmt die Motivation, wird besser gearbeitet. Bei Stellenantritt ist die Ausgangslage vielversprechend, weiss unsere Beraterin und Sozialarbeiterin Katrin Schenker:

Katrin Schenker, Beraterin und Sozialarbeiterin am Standort Basel

«Neue Mitarbeitende sind grundsätzlich besonders motiviert.»

Oft kommt es allerdings vor, dass die anfängliche Begeisterung für die neuen Aufgaben mit der Alltagsroutine verloren geht. So ermittelte das Beratungsunternehmen Gallup in einer Studie über den Zeitraum von 2014 bis 2016, dass sich über 70 Prozent der Mitarbeitenden in der Schweiz bei der Arbeit nur gering engagieren und Dienst nach Vorschrift machen.

Quelle: Gallup GmbH

Erwartungen regelmässig klären

Katrin Schenker kennt das Problem: «In unseren Beratungsgesprächen zeigt sich oft, dass die Demotivation meist mit ungeklärten Erwartungen und unklaren Möglichkeiten zusammenhängt.» Zudem sei das Wissen darüber, wie man seinen persönlichen Handlungsspielraum erweitern kann, bei den Mitarbeitenden vielmals nicht vorhanden. «Deshalb ist es nötig, die gegenseitigen Erwartungen in regelmässigen Abständen zu überprüfen, nicht nur im jährlichen Mitarbeitergespräch», rät Schenker. Bei solchen Gelegenheiten könnten Missverständnisse geklärt werden. Allfällige Änderungen am Stellenbeschrieb – etwa aufgrund von Umstrukturierungen – und damit einhergehende Veränderungen im Aufgabengebiet müssen aktiv angesprochen werden.

Spass-Killer identifizieren

Zusammen mit dem Mitarbeitenden kann in einem Gespräch ausserdem evaluiert werden, welche Aufgaben ihm besonders Spass machen und was ihn für die Arbeit motiviert. Schliesslich muss auch die Frage erlaubt sein, wie man mit jenen Aspekten der Arbeit umgeht, die ungern erledig werden. «Demotivierende Faktoren zu identifizieren ist äusserst wichtig, um die Arbeitsmoral zu erhalten. Manchmal sind betriebliche Gründe der Ursprung für den Überdruss, manchmal sind es aber auch private Auslöser», so Schenker.

Wertschätzung als Motivationsmotor

Die meisten Menschen arbeiten eigentlich gerne, sofern ihre Bemühungen anerkannt werden. Oft fehlt aus Sicht der Angestellten aber genau diese Wertschätzung des Vorgesetzten oder des Teams. Die Anerkennung hat je nach Persönlichkeitstyp eine unterschiedliche Wirkung, weiss Katrin Schenker: «Die einen Mitarbeitenden benötigen Lob und Anerkennung ihrer Leistung, die anderen benötigen die Wertschätzung ihrer Person um überhaupt die erwünschte Leistung zeigen zu können.»

«Demotivierende Faktoren zu identifizieren ist äusserst wichtig, um die Arbeitsmoral zu erhalten. Manchmal sind betriebliche Gründe der Ursprung für den Überdruss, manchmal sind es aber auch private Auslöser.»

Kein Druck im Krankheitsfall

Wichtig dabei sei, dass das Lob anschaulich formuliert werde, etwa anhand von Aufgaben oder Projekten, die besonders gut erledigt wurden. «Auch im Fall eines Misserfolgs ist es wichtig, den Einsatz zu würdigen, indem hervorgehoben wird, was trotzdem gut lief. Ein Vorgesetzter kann sich zudem überlegen, was er an seinem Mitarbeitenden besonders schätzt und ihm das als Kompliment dann direkt vermitteln», erklärt Schenker. Allgemein wirken sich empathische Gesten günstig auf die Arbeitshaltung aus. So schätzen es Mitarbeitende, wenn sie im Krankheitsfall nicht unter Druck gesetzt werden, möglichst bald wieder am Arbeitsplatz zu erscheinen.

Handlungsspielraum zulassen

Je mehr die Mitarbeitenden selber entscheiden können, desto stärker engagieren sie sich an ihrer Stelle. Das bedeutet, dass Vorgesetzte sie ihre Arbeit selbstständig planen und koordinieren lassen sollten. «Wer den Mitarbeitenden die Möglichkeit gibt, an ihren Aufgaben zu wachsen, erhöht die Motivation, dass sie sich dafür einsetzen», sagt Katrin Schenker. Die Möglichkeit, seine Arbeitsumgebung selber mitgestalten zu können, verschafft Angestellten eine zusätzliche Befriedigung.

«Wer den Mitarbeitenden die Möglichkeit gibt, an ihren Aufgaben zu wachsen, erhöht die Motivation, dass sie sich dafür einsetzen.»

Nachvollziehbare Entscheide

Kontraproduktiv wirken hingegen engmaschige Arbeitszeitkontrollen und gleich mehrere Hierarchien, welche die Aufgaben überwachen und Entscheidungen treffen. Sind diese dann auch noch für den Einzelnen nicht nachvollziehbar, fällt die Motivation in den Keller, was die Problemlösung erschwert. Vorgesetzte, die ihre Mitarbeitenden im Selbstmanagement unterstützen, müssen eventuell zu Beginn etwas mehr Zeit in die Arbeitsbeziehung stecken. Doch langfristig bezahlen sich Wertschätzung und Handlungsfreiheit aus – durch motivierte und loyale Mitarbeitende. Lesen Sie dazu auch unseren Blog-Artikel zum Thema Industrie 4.0 − Wertewandel in der Arbeitswelt.

Proitera ist als Betriebliche Sozialberatung die unbefangene, vertrauliche, externe Anlaufstelle bei Problemen am Arbeitsplatz. In unserer Beratung erarbeiten wir gemeinsam mit Ihnen Lösungswege für mehr Motivation am Arbeitsplatz.

Das können können Sie selber tun

Nicht nur Vorgesetzte haben Möglichkeiten, die Motivation ihrer Mitarbeitenden positiv zu beeinflussen. Mit folgenden vier Anregungen können auch Sie selber aktiv an Ihrem Engagement arbeiten.

Was kann ich selber ändern: Sind Sie unzufrieden bei der Arbeit, hilft es, die eigenen Ansprüche zu reflektieren. Überlegen Sie, welchen Handlungsspielraum Sie haben und was Sie an der aktuellen Situation ändern können. Fragen Sie sich, was Sie bei der Arbeit motiviert und welche Aufgaben für Sie sinnstiftend sind. Überlegen Sie sich Lösungsvorschläge, die umsetzbar sind und suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten.

Kompetenzen erkennen: Schärfen Sie Ihr Profil, indem Sie definieren, welche Fähigkeiten Sie besonders gut beherrschen. Überlegen Sie, wie Sie die Möglichkeit erhalten, sich für diese Aufgaben vermehrt einzusetzen. Eventuell ist an Ihrer Stelle eine andere Gewichtung der einzelnen Tätigkeiten möglich.

Ausgleich finden: Schaffen Sie sich neben der Arbeit Raum für positive Erfahrungen. Überlegen Sie sich, wie und wo Sie neben der Arbeit Energie tanken können.

Negative Muster durchbrechen: Richten Sie Ihre Gedanken auf positive Aspekte Ihrer Arbeit. Geeignet dafür ist etwa das Führen eines positiven Tagebuchs. Darin notieren Sie nach Feierabend, was bei der Arbeit gut gelaufen ist. Anhand dieser Einträge können Sie ein objektives Fazit ziehen. Besteht ein Problem an Ihrer Arbeitsstelle, anerkennen Sie es. Definieren Sie, was Sie demotiviert. Versuchen Sie gleichzeitig die Bereitschaft zu entwickeln, Positives zu erkennen. So gehen Sie die Situation aktiv an, nach dem Motto: Ich kontrolliere das Problem, nicht das Problem mich.


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