20. Dezember 2021

Wie wir die fünf inneren Antreiber nutzen, um Stress zu mindern

Mehr Zeit mit der Familie verbringen, mehr Sport treiben, gesünder Essen – kennen Sie das? Zum Jahresende sind sie wieder da, die guten Vorsätze. Jedes Jahr nehmen wir uns vor, uns von schlechten Gewohnheiten zu verabschieden. Oft bleibt es jedoch beim guten Willen. Doch warum verhalten oder entscheiden wir uns in gewissen Situationen immer wieder nach dem gleichen Muster und was macht es so schwierig, Veränderungen langfristig herbeizuführen?

Verhaltensweisen und Gewohnheiten

In einem unserer früheren Blogartikel haben wir uns mit Verhaltensweisen auseinandergesetzt. Wir haben darin aufgezeigt, dass bestimmte Verhaltensmuster nicht unbewusst zu Gewohnheiten geworden wären, wenn wir nicht auch einen Nutzen daraus gezogen hätten. Denn wenn wir uns in gewissen Situationen immer gleich verhalten, ist das für unser Hirn eine enorme Erleichterung, weil es gar nicht erst aktiv werden muss. Zwar geben uns solche Routinen Sicherheit, aber sie lassen uns unflexibel werden. Diese Mechanismen sind auch bei problematischen Verhaltensweisen am Arbeitsplatz zu beobachten, etwa bei chronischer Unpünktlichkeit, fehlender Abgrenzung oder ungesunden Stressreaktionen.

Innere Antreiber und Glaubenssätze als Grundüberzeugungen aus der Kindheit

Bekommen wir diese Wirkmechanismen nicht unter Kontrolle, ist es wichtig, dass wir ihnen nachspüren. Dabei ist es hilfreich, uns mit unseren inneren Antreibern und den daraus abgeleiteten negativen Glaubenssätzen zu beschäftigen, etwa: «andere sind besser als ich»; «Zeit ist Geld»; «das Leben ist kein Ponyhof». Innere Antreiber sind Grundüberzeugungen, die in unserer Kindheit entstanden sind und die wir teilweise so stark verinnerlicht haben, dass sie uns nicht bewusst sind, wenn sie auf uns einwirken.

 

Innere Antreiber…

  • sind weder gut noch schlecht,
  • steuern unser Denken, Handeln und Fühlen,
  • werden von erziehenden Personen (Eltern, Lehrer) oft unbewusst als «eigene» Antreiber vermittelt,
  • sind verinnerlichte (elterliche) Handlungsaufforderungen und ursprünglich erzieherisch-unterstützend gemeint.

Warum können innere Antreiber problematisch werden?

  • Innere Antreiber wirken unbewusst.
  • Wir realisieren oft nicht wann wir unseren inneren Antreibern folgen.
  • Unbewusst halten wir am Glauben fest, dass wir nur anerkannt und geschätzt sind, wenn wir auch als Erwachsene unseren inneren Antreibern folgen.
  • Die inneren Antreiber begleiten uns auch im Berufsalltag. Problematisch wird es dann, wenn wir uns mit den Erwartungen, die inneren Antreiber zu erfüllen, unter Druck setzen und dadurch gesundheitliche Probleme bekommen.

Die fünf inneren Antreiber

Quelle: https://dailymentor.de/innere-antreiber/

Stress erkennen und Antreiber positiv nutzen

Das können wir tun, um unsere inneren Antreiber besser zu nutzen:

Funktionsweise verstehen: Wie funktioniert der Antreiber mit dem ich verbunden bin? Welche Bedürfnisse weckt dieser in mir und welche positiven Aspekte und unerkannten Talente kann ich identifizieren?

Verursacher erkennen: Gibt es spezifische Situationen, bei denen mein Antreiber ausgelöst wird? Wann tritt dieser gehäuft oder verstärkt auf?

Gegenpol entwickeln: Wie kann ich den Antreiber umformulieren, damit Stress und Druck gemindert wird? Welche passende Erlaubnis beziehungsweise welchen passenden Erlauber, kann ich einsetzen, um den Antreiber schrittweise durch neues Verhalten zu ersetzen?

Antreiber durch Erlauber lösen

Erlauber sind positiv formulierte Glaubensätze, welche die Logik der Antreiber und deren Verknüpfungen umkehren. Folgende Beispiele anhand des «Mach-schnell-Antreibers» helfen uns, Verhaltensweisen und deren Botschaften umzuwandeln und positiv zu nutzen. Natürlich können auch eigene, individuell trainierte Erlauber helfen, den Zwang des Antreibers zu lösen.

Antithese zum «Mach-schnell-Antreiber»:

  • Ich darf mir die Zeit nehmen die ich brauche.
  • Meine Zeit gehört mir.
  • Ich darf mich regenerieren und Pausen machen.
  • Gras wächst auch nicht schneller, wenn man daran zieht.
  • Ich kann selbst entscheiden, ob und wann ich mich beeile.
  • Es ist in Ordnung, wenn ich die Dinge in Ruhe erledige.
  • Ich darf darauf vertrauen, dass ich zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin.
  • Ich darf meinem eigenen Rhythmus folgen und meine persönliche Tagesform berücksichtigen.

Innere Antreiber sind sehr persönlich und Sie begleiten uns während einer langen Zeit. Sie zu identifizieren und die gewohnten Verhaltensmuster mittels Erlauber aufzulösen, benötigt viel Geduld und Übung. Die Beraterinnen und Berater von Proitera stehen Ihnen gerne zur Seite, um Sie mit zielführenden und hilfreichen Anregungen auf diesem Weg zu begleiten und zu unterstützen.

Aktuelles Seminar zum Thema

In unserem Seminar zum Thema Stress (-bewältigung) lernen Sie stressbegünstigende Verhaltensmuster zu erkennen und Ihre persönlichen Energiequellen zu identifizieren, sodass Sie Ihre Lebensbalance aufrecht erhalten oder wieder herstellen können.


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